Amazon: »Spider-Noir«

»Spider-Noir« (Serie, 2026). © Amazon Content Services LLC

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Die erste Live-Action-Serie über das »Spider-Verse« verwebt Noir-Krimi mit Superhelden-Film und präsentiert Nicolas Cage als abgehalfterten Ermittler und Spinnenmann wider Willen, der sich mit mutierten Gangstern herumschlagen muss – zu sehen in Schwarz-Weiß oder in Farbe

Keinen anderen Superhelden gibt es in so vielen und vor allem so verschiedenen Verkörperungen. Da sind nicht nur die einzelnen »Spider-Man«-Darsteller von Tobey Maguire über Andrew Garfield bis zu Tom Holland allein in diesem Jahrtausend. Gerade als die Welt dem Spinnenhelden und seinem Leitspruch »Mit großer Macht kommt große Verantwortung« etwas überdrüssig zu werden drohte, hauchte der Animationsfilm »Spider-Man: Into the Spider-Verse« (2018) dem Franchise neues Leben ein, indem er die Möglichkeiten der Inkarnation weiter multiplizierte. Neben Figuren wie Spider-Gwen, einem Anime-Spider und Spider-Ham alias Peter Porker tauchte da auch schon der von Nicolas Cage eingesprochene Spider-Noir auf, stets in Schwarz-Weiß und mit Hut, versteht sich.

Für »Spider-Noir«, der achtteiligen Serie auf Prime Video, hat Cage nun die Rolle in voller Gestalt angenommen, wobei die Macher betonen, dass es sich nicht um eine echte Fortsetzung der Animationsfigur handle, sondern lediglich um eine weitere Variante in einem parallelen Universum.

Verglichen mit der bunten, inspirierenden und herrlich experimentellen Diversität der Spider-Verse-Animationsfilme erscheint die »Real-Life«-Inszenierung von »Spider-Noir« zunächst fast erschreckend monoton und monochrom. Zwar kann der Zuschauer wählen, ob er die einzelnen Folgen in »authentischem« Schwarz-Weiß oder in »tonechter« Farbe anschauen möchte, aber davon abgesehen regieren hier statt Fantasie, Überraschung und Vielfalt erst mal Imitation, Hommage und Nachahmung.

Nicolas Cage spielt Ben Reilly, einen hard-boiled Privatermittler im Geist von Raymond Chandler und Dashiell Hammett, nur dass Reilly seinen zynischen Weltüberdruss im New York der 1930er Jahre über den schwarzglänzenden Asphalt trägt. Wie für Figuren seines Schlags üblich, befindet er sich in einer tiefen Lebenskrise. Die Spidey-Maske hat er abgelegt, seit seine Geliebte bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Sein Detektivbüro läuft alles andere als gut, seine Sekretärin (Karen Rodriguez) fürchtet um den eigenen Lohn und in der Stadt gewinnt der irische Mobster Silvermane (Brendan Gleeson) immer mehr Macht gegenüber Bürgermeister Alfred Morris (Michael Kostroff).

Vom befreundeten Reporter Robbie Robertson (Lamorne Morris) wird Reilly bedrängt, die Superheldenrolle doch wieder aufzunehmen, wenn nicht für sich selbst, dann doch für die Stadt. Ein nicht ganz selbstloser Ratschlag, ist der Journalist doch gerade selbst in Ungnade gefallen und will sich mit einer großen Story wieder rehabilitieren. Wie es sich im Genre gehört, kommt die Geschichte erst mit dem Erscheinen einer Femme fatale so richtig in Gang. Hier ist es die Nachtclub-Sängerin Cat Hardy (Li Jun Li), die Reilly erst im Auftrag eines anderen ausspioniert, bis sie ihn ihrerseits um Hilfe bittet, als ihr Verlobter Flint Marko alias Sandman (Jack Huston) verschwindet.

Überhaupt dauert es fast vier Folgen, bis »Spider-Noir« die dramatischen Linien in eine Ausrichtung gebracht hat, die für Spannung sorgt. Bis dahin gefällt sich die Serie etwas zu sehr darin, die Noir-Motive mit den »Spider-Man«-Themen zu verknüpfen und in dieser Fantasie-Film-Version von New York anzusiedeln. Nicolas Cage kann als Zitat einer Humphrey-Bogart-Figur einigermaßen überzeugen, als Spider-Man dagegen wirkt er zunächst völlig fehl am Platz. Selbst das Ungeschick, mit dem er in Notsituationen grau-schwarze Fäden zur eigenen Rettung einsetzt, kommt als deplatziert rüber.

Erst als in Rückblicken auf Vorgänge im Ersten Weltkrieg sowohl Reillys »Origin Story« als auch die von Gestalten wie Sandman, Tombstone (Abraham Popoola) oder Megawatt (Andrew Lewis Caldwell) nacherzählt werden, beginnt die emotionale Unterfütterung Sinn zu machen: Die Veteranen mit ihren Superkräften sind tragische Opfer eines Missbrauchs. Dass der Mobster Silvermane genau das auszunutzen weiß, indem er sie in Dienst nimmt, verdoppelt die Tragik. Und dass Reilly in die ungeliebte Rolle des Spider-Noir zurückkehren muss, um sich und andere zu befreien, ist quasi Dialektik.

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