Sooner: »Fire Will Come«
Der auf europäische Arthouse- und Independentfilme spezialisierte Streamingdienst Sooner zeigt einen der früheren Filme von Óliver Laxe (»Sirât«)
Frühere, noch eher unbekannte Werke von Regisseurinnen und Regisseuren, die gerade mit ihrem aktuellen Film im Gespräch sind: Das ist ein Markenzeichen des alternativen Streamingdienstes Sooner. Neu im Programm ist »Fire Will Come« (2019) von Óliver Laxe, der im vergangenen Jahr mit »Sirât« größere Aufmerksamkeit erhielt, aber auch schon mit seinen vorherigen Filmen erfolgreich auf Festivals unterwegs war. »Fire Will Come« etwa erhielt bei den Filmfestspielen von Cannes den Jurypreis der Sektion Un Certain Regard.
Das spanische Drama spielt in der Abgeschiedenheit der galizischen Berge. Der Einzelgänger Amador kehrt dort in sein Heimatdorf zurück, nachdem er eine Gefängnisstrafe wegen Brandstiftung abgesessen hat. Die Bewohner begegnen ihm mit Argwohn. Schnell wird klar: Sollte ein neuer Waldbrand ausbrechen – für die Region nicht ungewöhnlich –, wird Amador der Verdächtige sein.
Ähnlich wie bei »Sirât« ist auch »Fire Will Come« von einer seltsam entrückten Atmosphäre geprägt. Lange kommt der Film ohne dramatische Zuspitzung aus und endet quasi, als sie schließlich doch eintritt. In fast dokumentarischen Sequenzen – Laxe hat auch hier mit Laien gedreht – zeigt der Film den von Einfachheit und bäuerlichem Leben geprägten Alltag des Dorfs. Dialoge gibt es wenige, es ist ein Film des Unausgesprochenen, bei dem für den Zuschauer viele Fragen offenbleiben: Ist Amador zu Recht verurteilt worden? Sollte seine Mutter, mit der er zusammenlebt, ihn mit seiner Vergangenheit konfrontieren? Müsste er offener gegenüber den anderen sein? Und sind die Vorbehalte der Bewohner gerechtfertigt oder vielleicht Ausdruck von Frust ob des Strukturwandels in der Region und der Unwägbarkeit der Natur? Als Zuschauer bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Vagheit anzunehmen. Zugleich kann man sich von den Bildern in den Bann ziehen lassen: malerische Aufnahmen von Bergen und Tälern, mal in strahlende Sonne, mal in diesigen Nebel getaucht und teilweise unterlegt mit klassischer Musik, teilweise nur von den Geräuschen der Natur begleitet. Auf beeindruckende Weise fängt Laxe zudem die zerstörerische Wucht eines Waldbrands ein mit all seiner ambivalent betörenden Ästhetik.




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