Kritik zu Als wäre es leicht

© Port au Prince Pictures

2025
Original-Titel: 
Als wäre es leicht
Filmstart in Deutschland: 
02.04.2026
L: 
90 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Milan Skrobaneks Spielfilmdebüt erzählt von den Kommunikations­problemen, die entstehen, wenn eine gehörlose Frau und ein blinder Mann sich verlieben.

Bewertung: 4
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Manchmal, wenn man einem Film begegnet, der die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau nach unzähligen Variationen des Themas in der Filmgeschichte noch mal ganz anders erzählen will, ist man erstaunt, dass das tatsächlich noch geht. In seinem Spielfilmdebüt hat der Hamburger Regisseur Milan Skrobanek etwas scheinbar Unmögliches versucht und eine einzigartige Geschichte geschaffen, die weit mehr ist als nur eine Erzählung. Als sich Kati und Florian bei einem Ausflug des Hamburger Dialog-Museums in einer Kletterhalle treffen, fühlen sie sich schnell zueinander hingezogen. Obwohl das gemeinsame Klettern gründlich misslingt, teilen sich die beiden eine erste Zigarette. Viele weitere werden folgen, und das ist nicht selbstverständlich. Denn Kati (Cindy Klink) ist gehörlos, und Florian ­(David Knors) ist blind.

Wenn man davon ausgeht, dass Liebe in erster Linie Kommunikation ist, dann steht den beiden nicht nur ihre unterschiedliche Lebensgeschichte im Weg, sondern vor allem eine begrenzte Form der Weltwahrnehmung und eine große Barriere in der Auseinandersetzung. Florian muss eine Sprache lernen, die auf Gebärden beruht, die er nicht sehen kann, und Kati muss sich daran gewöhnen, laut zu sprechen, was sie hasst, seit sie von ihrer Mutter in den Sprechunterricht gezwungen wurde. Dazu kommt, dass sie eventuell mit einem Implantat in der Lage wäre zu hören, doch für sie ist Taubsein kein Zustand, den man reparieren müsste. Was weder Florian noch ihre Mutter oder ihre ebenfalls gehörlose beste Freundin verstehen. Dass es in der Kommunikation der Liebe zu Missverständnissen kommt, ist selbstverständlich – hier wundert man sich, wenn sie überhaupt gelingt. Denn zu der persönlichen schwierigen Geschichte mit den jeweiligen Eltern kommt eine Form der gegenseitigen Akzeptanz hinzu, die physisch fast unmöglich ist. Denn Florian lebt in einer akustischen Welt, seine Teilhabe funktioniert über Töne, Laute und Geräusche, während sich Kati ihre Welt mit der Kamera erschließt. Und so verwundert es niemanden, dass nach weniger als der Hälfte des Films der Satz fällt: »Das mit uns kann nicht funktionieren«.

Milan Skrobanek hat sich in seinem Debüt viel vorgenommen. Er benutzt Klischees, ohne ihnen zu erliegen, und findet einen visuellen Ausdruck dafür, dass eine Kommunikation jenseits der Worte nicht nur möglich ist, sondern in der Liebe ganz automatisch entsteht. Es ist die äußere Welt, an der die Liebe oftmals zerbricht.

Dazu kommt, dass hier mit Cindy Klink und David Knors Schauspieler eingeführt werden, die tatsächlich taub beziehungsweise blind sind. Das erschwerte auch die Dreharbeiten, die von einem Deaf-Supervisor und Dol­metscher*innen für Gebärdensprache begleitet wurden. Herausgekommen ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die sich nicht scheut, viele Fragen offenzulassen. Und die eine Wirkmächtigkeit entfaltet, die man allen weiteren Filmen von Milan Skrobanek nur wünschen kann.

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