Kritik zu Coexistence, My Ass!

© UCM.ONE

2025
Original-Titel: 
Coexistence, My Ass!
Filmstart in Deutschland: 
05.02.2026
L: 
95 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die Dokumentation folgt über fünf Jahre der israelischen Comedian Noam Shuster-Eliassi und zeichnet ein Bild der politischen Entwicklungen und der Zerrissenheit des Landes.

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Nicht nur Hillary Clinton und Jane Fonda zeigten sich tief beeindruckt vom Dorf »Wahat al-Salam / Neve Shalom« auf einem Hügel zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Unter dem zweisprachigen Namen leben dort in einem demokratisch gestalteten Gemeinwesen arabische und jüdische Israelis mit ihren Familien zusammen: Ein 1970 initiiertes Projekt mit dem Ziel, den nahöstlichen Friedensprozess von innen heraus zu befördern. Hier wuchs auch Noam Shuster-Eliassi als Tochter aus dem Iran und Rumänien stammender jüdischer Eltern auf, wie die heute in Israel ebenso bekannte wie wegen ihrer propalästinensischen Positionen umstrittene Stand-up-Komödiantin bei einer Show in der Harvard University ihrem Publikum erzählt.

2007 erhielt die fließend Arabisch und Hebräisch sprechende junge Frau ein Stipendium für die Brandeis-Universität an der US-Ostküste. Schon vor – und auch neben – ihren Auftritten als Comedian engagierte sie sich als Aktivistin für verschiedene Organisationen, darunter die UN. Doch auf der Comedybühne fand sie größere Wirkung für ihre Anliegen: »Zwanzig Jahre Friedensaktivismus brachten mir zwanzig Zuhörer, ein Witz über einen Diktator zwanzig Millionen«, sagt sie, nachdem ein Joke über ihren angeblichen Heiratsantrag an Kronprinz Mohammed bin Salman viral ging. Beim ersten Auftritt einer jüdischen Komödiantin vor einem palästinensischen Publikum in Ostjerusalem brach sie mit einem selbstironischen Scherz über die Besatzung das Eis.

Das von Rachel Leah Jones (Advocate) und der kanadischen Dokumentaristin Amber Fares (»Speed Sisters«) realisierte Porträt begleitet Shuster über fünf Jahre durch professionelle und persönliche Umbrüche und fügt in einer komplexen Montage Fragmente aus Kindheitszeiten ein. Nach der coronabedingten Absage einer US-Tournee erlebt sie die erzwungene Quarantäne-Gemeinschaft in einem Jerusalemer Nobelhotel als utopischen Melting Pot. Heute wissen wir, was auf diesen Moment illusionärer Gemeinschaft folgte: Das verstörende Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 forderte auch unter Shusters Freundinnen, Verwandten und Bekannten zahlreiche Opfer. Dann als Antwort die zunehmend exzessiven Angriffe auf Gaza seitens der IDF. Die aus dieser Konstellation resultierende Radikalisierung politischer Positionen bringt Shuster als Aktivistin an die Grenzen ihrer Kraft, wenn ihr Beharren auf der Palästina-Frage sie auch im israelischen Antiregierungslager zunehmend isoliert (»… zu wissen, was Israel jetzt [in Gaza] macht, ist genau das, was uns zu diesem Punkt brachte«).

In Deutschland wäre Shuster der Antisemitismusvorwurf sicher, nicht nur, weil sie bei Demonstrationen (wenn auch mit verschobener Bedeutung) den Slogan »From the river to the sea« verwendet. Sie setzt sich auch – wie andere israelische Intellektuelle – gegen die mancherorts fast dogmatisch propagierte Zweistaatenlösung ein und propagiert – analog zu den Erfahrungen an ihrem Herkunftsort – ein inklusives säkulares Israel. Es wäre sicherlich interessant gewesen, auch über die Person der Protagonistin hinaus mehr von den Auswirkungen der aktuellen Situation auf jenes »Wahat al-Salam / Neve Shalom« zu erfahren.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt