Nachruf: Brigitte Bardot

Rebellin auf Zeit
Brigitte Bardot (1963). © Archivio A3/​laif

Brigitte Bardot (1963). © Archivio A3/​laif

28.9.1934 – 28.12.2025

Als »… und immer lockt das Weib« 1956 in die französischen Kinos kam, musste sich die bürgerliche Nachkriegsgesellschaft ihrer bis dahin größten Herausforderung stellen. Brigitte Bardot verkörperte unter der Regie ihres ersten Ehemanns Roger Vadim eine präzedenzlos amoralische Rebellin. Sie provozierte mit jugendlicher Verworfenheit und selbstbewusster Sinnlichkeit. Sie gehörte nicht einem einzigen Mann, sondern sich selbst. Ihre stärkste Waffe war die Ungezwungenheit: Dieses Mädchen kannte keine Pflicht, nur Neigung.

Der Körper der gelernten Balletttänzerin war ein Instrument der Ermächtigung. Auf der Leinwand sollte sie sich fortan nie wieder für etwas entschuldigen; nicht einmal in den Moralstücken, die sie mit Regisseuren des »alten« Kinos drehte, mit Claude Autant-Lara (»Mit den Waffen einer Frau«, 1958) und Henri-Georges Clouzot (»Die Wahrheit«, 1960). In Frankreich avancierte sie zum zuverlässigen Kassenmagneten, weltweit zu einem Phänomen. Der Vatikan geißelte sie als Verkörperung des Bösen.

Bardots Mythos verdichtete sich in Windeseile. Er wollte gedeutet werden; nicht nur von Simone de Beauvoir und Roland Barthes. In »Privatleben« von Louis Malle zog BB 1962 die Bilanz ihres Werdegangs und der zunehmenden Entfremdung von Image und Ruhm. Ein Jahr später, in Godards »Die Verachtung«, schloss sie eine Allianz zum gegenseitigen Nutzen: für sie ein Aufstieg in den Olymp des Autorenfilms, für den Regisseur eine Begegnung mit dem ganz großen Publikum. Nach »Viva Maria!«, wo sie sich 1965 noch einmal als pfundige Komödiantin zeigt, ließen ihr Elan und der des Publikums merklich nach. Der Abschied vom Kino, den sie 1973 nahm, war nobel – sie wollte ihre Leinwandaura nicht mit Hilfe plastischer Chirurgie verlängern – und zugleich überfällig: Ihre Kinofigur besaß keine Aussagekraft mehr.

Fortan engagierte sie sich glühend für den Tierschutz, mochte ihre zahlreichen Pelze aber vorerst nicht aus dem Kleiderschrank verbannen. Bald geriet sie in den Einflussbereich der extremen Rechten und hielt Brandreden gegen die Überfremdung Frankreichs durch schächtende Muslime. Sie selbst sah darin keinen Bruch, sondern Selbsttreue: Einst habe sie mit ihrem Hintern provoziert, nun eben mit ihren politischen Äußerungen. Die frühere Variante besaß mehr Esprit.

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