DVD-Tipp: Helge Schneider – The Spielfilmpaket
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Die limitierte Box »Helge Schneider – The Spielfilmpaket« enthält alle fünf Spielfilme des Multitalents. Im Bonusmaterial reflektiert er sein eigenes Schaffen.
Kommissar-Schneider-Polizeiausweis, Doc-Synder-Fahndungsplakat, Aufkleber, Filmplakate: Das Helge- Schneider-Blu-ray-Spielfilmpaket, limitiert auf 3000 Exemplare, ist tolles Fantreatment. Das Bonusmaterial der Discs entspricht weitgehend dem auf den bisher erschienenen DVD-Fassungen, hinzu kommt ein zweiteiliges Werkstattgespräch von 2013 aus der Reihe »Was tut sich im deutschen Film« im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, in dem Schneider gegenüber Urs Spörri und Heike Melba-Fendel seiner Filmbegeisterung wie auch seiner eigenen Filmsozialisation mit Rainer Komers, Werner Nekes und Christoph Schlingensief Ausdruck verleiht.
Freilich hat man es nicht leicht, Schneiders Filme zu empfehlen. Zu sehr hängt ihm der Ruch an, nur so ein weiterer Blödelbarde zu sein, über den nachzudenken sich nicht weiter lohnt. Ein Kommissar, der im Pappkulissenflugzeug mit Hilfe des weltbekannten Spürpiloten den schlimmen Verbrecher überführt! Ein Westerner, der der – von Andreas Kunze gespielten – Mutter den Wäschesack bringt! Ein Arzt in blauem Helge- Anzug, dessen Sohn älter ist als er selbst! Ein Jazzmusiker, der sich als Callboy verdingen muss! Ein Eidechsenmann, der als Kettenraucher total böse ist, aber auch mal mit dem Kommissar ein Tänzchen wagt!
In seinem bisherigen Spielfilm-OEuvre – derzeit arbeitet er an einem Boxerdrama, Titel: »Die Kröte« – geht Schneider in die Vollen, was seine unbändige Fantasie betrifft. Wiewohl insbesondere sein Werk der 90er für Millionen zum Kult wurde, in Verbund mit Schneiders genereller Bekanntheit via »Katzeklo«, können große Teile der Bevölkerung mit derartigen Filmen wenig anfangen. Seine Kunst ist eine der Albernheit – und: Anders als etwa Otto Waalkes oder Bully Herbig bringt Schneider nicht einfach Gags, die seiner Komiker-Persona entstammen, um damit Filmgenres liebevoll zu persiflieren. Vielmehr verneinen Schneiders Filme ihr Filmsein überhaupt, indem sie ihre Low- Budget-Gemachtheit herausstellen, indem sie willentlich jeden Anflug von Handlung vermeiden, indem sie zu großen Teilen auf Improvisation setzen – also auf den synkopischen Rhythmus des Jazz, auf das freie Fantasieren, das In-Szene-Setzen von Performances, die gegenüber jeder filmischen Konvention und inszenatorischen Dramaturgie bevorzugt werden. Womit sein Filmwerk in all dem Unsinnsquatsch einen sehr bewussten Umgang mit dem Medium offenbart.
Niemand – zumindest in Deutschland – hat solch bahnbrechende Werke der Filmfarce, der Komik-Avantgarde vollbracht. Für »Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem« (1993) wurden weite Teile des fertig gedrehten Films verworfen und unter Co-Regie von Christoph Schlingensief neu gedreht; so dass in die Westernwelt der Kommissar Schneider des nächsten (!) Films einbricht. In »00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter« (1994) lässt Kameramann Schlingensief oftmals das Bild einfach stehen, bis die Protagonisten ihre Darstellung beinahe erschöpft brechen. Die Weiterschreibung des Kommissar-Universums in »00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse« (2013) löst sich von diesem frühen Filmquatsch, um in einer Vielzahl an Nebenhandlungen ertränkt zu werden – inklusive Schneiders Pizzabäcker als Polizeichef und einiger bemerkenswerter Laurel-&-Hardy- und W.C.-Fields-Hommagen. Zwischendrin lösen »Praxis Dr. Hasenbein« (1997) und »Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm« (2004) sich selbst in Jazz auf, nicht, ohne eine kräftige Portion Sozialkritik zu postulieren. In Form von formvollendetem Nonsens natürlich.
Zuletzt hat sich Schneider in seiner filmischen Autobiografie das griffige Label »The Klimperclown« verpasst. Als Dokumentarfilm ist dieses Werk nicht in diesem Spielfilmpaket enthalten, doch auch hier entwickelt Schneider – ganz seriös – in den Audiokommentaren und den Interviews mit sich selbst seinen persönlichen Blick auf seine Filme und damit auf ihre Stellung in der Welt. Als Clown ist Schneider ernst zu nehmen. Über sein Autorenfilm-OEuvre kann man sich unbedingt totlachen.
Helge Schneider – The Spielfilmpaket
D 1993–2013. R: Helge Schneider (Co-Regie »Texas«: Ralf Huettner). Da: Helge Schneider. Anbieter: Turbine.





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