11/2018

In diesem Heft

Tipp

Wenn der Alltag aus Feiern und Drogen besteht: Mit vielen prominenten Schauspielern in überraschenden Rollen entwickelt Amazons »Beat« (Start: 9.11.) Suchtpotenzial
Sein ist die Rache – Nicolas Cage in »Mandy«
am So., 25.11. in Frankfurt am Main – epd-Film-Redakteur Rudolf Worschech spricht mit Eckhart Schmidt über seinen Film »Mein schönster Sommer«

Thema

Unsere "steile These" des Monats November
Irgendwie anders. Perfekt – »Touch Me Not« und die neue Fluidität des Kinos
Von der Queen zum Punk – Nach dem Serienerfolg »The Crown« erobert Claire Foy das Kino – aktuell in »Aufbruch zum Mond« und dem Millennium-Thriller »Verschwörung«­
Sind Superheldenfilme ein eigenes Genre? Marcus Stiglegger über klassische Genres und den Trend zum Genre-Mix
Der Film- und Theaterregisseur Kirill Serebrennikov kann sehr deutlich werden, wenn es um das Putin-Regime geht. Er kann aber auch träumen, wie man in seinem wundervollen Musikfilm »Leto« sieht

Meldung

Das Filmfest Hamburg überzeugte mit engagierten und starken Filmen, den Douglas-Sirk-Preis gewann in diesem Jahr Jafar Panahi

Filmkritik

Philip Grönings Beinah-Inzest-Drama »Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« über ein Geschwisterpaar im Abitursalter zwischen Heidegger und Waldsee erweist sich als eher sperrig und verkopft
Gerade als Rainer (Jan Josef Liefers) seine alte Band trotz aller Widrigkeiten wiedervereint, erfährt er von seinem unheilbaren Hirnturmor. Philipp Kadelbach verfilmte Frank Goosens Roman »So viel Zeit« als klamaukige Wohlfühlkomödie mit deutscher Starbesetzung
Kornél Mundruczó zeichnet in seiner phantastischen Geschichte von Flucht und Verfolgung auf mehreren Ebenen gleichzeitig das Bild einer korrupten und rassistischen Gesellschaft, der der Glaube an ein höheres Ideal abhanden gekommen ist: »Jupiter's Moon«
Seit Jahrzehnten verbirgt sich der Erfinder des Bossa Nova vor der Öffentlichkeit. Mit Hilfe von Weggefährten und Bewunderern will Georges Gachot den Künstler fassbar machen und folgt zugleich den Spuren des Reporters Marc Fischer, der vor Jahren dasselbe versuchte. Sehnsucht aus zweiter Hand: »Wo bist du, João Gilberto?«
Christian Froschs filmische Rekonstruktion des Kriegsverbrecherprozesses gegen den »Schlächter von Vilnius« von 1963 deckt die Lügen auf, die in Österreich über Jahrzehnte als Wahrheit ausgegeben wurden: »Murer – Anatomie eines Prozesses«
Die Geschichte hinter der berühmtesten Geschichte von Charles Dickens: Bharat Nalluri erzählt mit opulenter Ausstattung, wie »A Christmas Carol« entstand
Barbara Miller porträtiert fünf Frauen, die sich aus ihren geschlossenen Gesellschaften befreit haben und für eine freie Sexualität kämpfen. Sie rüttelt auf, findet aber keinen Bezug zu der aktuellen Debatte und kaum filmisch interessante Motive
Unentschlossenes, reißerisches Biopic über Silvio Berlusconi, dem es über weite Strecken nicht gelingt, den Politiker überzeugend zu charakterisieren: »Loro«
Das Biopic über den charismatischen Queen-Sänger Freddie Mercury spricht weniger den Verstand als das Herz an
Die Außenseiterballade von Lucia Chiarla lebt vom nuancierten Spiel der Hauptdarstellerin Eva Löbach, ist aber oft zu plakativ: »Reise nach Jerusalem«
Und plötzlich sind alle anderen Menschen einfach weg: »In My Room« ist ein faszinierendes Gedankenspiel von Ulrich Köhler über die Möglichkeiten und Grenzen persönlicher Freiheit
Kirill Serebrennikovs Musikfilm »Leto« über die sowjetische Underground-Rockszene ist ein bild- und musikgewaltiges Plädoyer für künstlerische Freiheit
Der eindringlich inszenierte Dokumentarfilm »Back to the Fatherland« führt vor Augen, wie der Holocaust auch in der dritten Generation noch präsent ist
Atmosphärische, wenngleich nicht in allen Details überzeugende Adaption des gleichnamigen Seethaler-Romans mit Bruno Ganz als wundervoller Sigmund Freud: »Der Trafikant«
Hexenjagd in Salem: Im Stil der »The Purge«-Filme zeichnet Sam Levinson ein treffendes, satirisch grelles Porträt eines von Gewalt und Hass regierten Amerikas: »Assassination Nation«
Pawel Pawlikowski erzählt von einer großen Liebe, die von den politischen Verhältnissen gebändigt wird. Mit exzellenten Darstellern und in atmosphärisch bestechendem Schwarzweiß zeichnet »Cold War« ein intimes, romantisches Zeitbild der ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte
Statt im Respekt vor Argento zu erstarren, erschafft Luca Guadagnino seine ganz eigene Vision: ein kühner, exzessiver Trip ins Vieldeutige, glänzend gespielt und getanzt, mit hypnotischer Musik von Thom Yorke: »Suspiria«
Zwei erwachsene Männer auf den Mofas ihrer Jugend: »25 km/h«, Markus Gollers zweite Verfilmung einer Zickler-Ziegenbalg-Vorlage, verbindet Melancholie und Leichtigkeit
Sicherlich keine Filmkunst, aber bei »Der marktgerechte Patient« handelt es sich um einen inhaltsreichen, leidenschaftlichen und aktuellen Agitationsfilm gegen die Ökonomisierung des Gesundheitswesens
Nach dem Tod seines Geliebten sucht ein Berliner Konditor die Nähe von dessen in Jerusalem lebender Witwe. Ungewöhnliche Dreiecksgeschichte mit einem untrüglichen Gespür für die Zwischentöne des Lebens: »The Cakemaker«
Nach Nick Hornbys gleichnamigem Roman »Juliet, Naked« dreht Jesse Peretz eine subtile Komödie, die Fans ernst nimmt und sie gleichermaßen sanft verspottet.
Teenagerin Mia stellt fest, dass ihr nicht nur der Körper fremd wird, sondern sie buchstäblich nicht mehr in ihrem Element ist. Mit sicherer Hand verbindet Brühlmann in »Blue My Mind« Coming-of-Age-Drama mit Fantasy-Märchen
Geradlinig erzählter Actionfilm, der das Genre der »Nazisploitation« mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in Szene setzt, aber auch »gorehounds« auf ihre Kosten kommen lässt
Die sympathische, aber nicht überdifferenzierte Dokumentation »Here to Be Heard« erinnert an die stilbildende Frauenpunkband. Schon wichtig
Ein von viel Musik getragener Dokumentarfilm »Der Klang der Stimme« über Personen, die sich mit der menschlichen Stimme befassen
Ein Ensemble-Film über die verschiedensten Facetten von Unglück und Liebe – mit starken Szenen und hervorragenden Schauspielern, aber auch zu viel Musik: »Was uns nicht umbringt«
Der Geschichte der Mondlandung nimmt Damien Chazelle das nationale Pathos. ­Zusammen mit Ryan Gosling in der Hauptrolle ringt er ihr neue, betörende und zutiefst menschliche Perspektiven ab: »Aufbruch zum Mond«
Vergnügliche Film-noir-Krimikomödie mit sehr geglückter Besetzung: Anna Kendrick und Blake Lively verkörpern mit Verve gänzlich unterschiedliche Frauentypen
Peter Simonischek und Jíri Menzel spielen zwei gegensätzliche Männer, die die Geschichte ihrer Väter und Familie während der NS-Zeit in der Slowakei recherchieren. »Der Dolmetscher« ist ein ruhiges, überlegtes Road Movie
Filmischer Essay über Intimität und Liebe: Die herausfordernde Montage von fiktiven und dokumentarischen Elementen wendet sich an ein aufgeschlossenes Publikum: »Touch Me Not«
Sebastian Winkels (»7 Brüder«) zeigt in seinem neuen Film Bankberatergespräche auf der ganzen Welt. Trotz interessanter Einblicke geht das Konzept nicht ganz auf
In ihrem faszinierenden und persönlich angelegten Dokumentarfilm »Die andere Seite von allem« weitet die serbische Filmemacherin Mila Turajlic die Bografie ihrer Mutter, der Bürgerrechtlerin Srbijanka Turajlic, zu einer Geschichte Jugoslawiens und Serbiens aus
Karger Film über Olga Hepnarová, eine Massenmörderin, die als letzte in der Tschechoslowakei hingerichtet wurde. Ohne Effekte und ohne in eine berührende Geschichte einzutauchen, blättert »I, Olga« die Motive auf, die zu ihrer Amokfahrt führten
Auch das Promi-Ensemble kann in Judy Greers Regiedebüt über kleine und große Pechvögel an einer Schule nicht überdecken, dass ihr »Career Day mit Hindernissen« zwischen Sitcom und Drama zu selten den richtigen Ton findet
Nach 40 Jahren ist Jamie Lee Curtis als traumatisierte Laurie Strode zurück, um sich an ihrem Peiniger Michael Myers zu rächen. Denn der mordende Psychopath ist just zu Halloween aus der Haftanstalt entkommen. »Halloween« ist ein erwartbarer Horrortrip, der im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr funktioniert
Christophe Honoré rekonstruiert das schwule Lebensgefühl im Frankreich der 90er als komplexes Geflecht von Freundschafts- und Liebesbeziehungen, völlig unsentimental und deshalb umso berührender: »Sorry Angel«
In Berlin kreuzen sich die Wege verschiedener Hundebesitzer: Beziehungen werden auf die Probe gestellt, neue entwickeln sich. »Wuff« ist ein nicht ungeschickt konstruierter Ensemblefilm, der sich ganz und gar dem Wohlfühlkino verschrieben hat
Der altmodische U-Boot-Thriller straft seinen martialischen Titel »Hunter Killer« durchaus Lügen: Suspense bezieht das Tauziehen zwischen US-Marines und putschierenden russischen Militärs aus dem Ringen um Vertrauen und Deeskalation. Eine ungewöhnliche Rolle für Gerard Butler – und ein letzter, wehmütiger Auftritt des verstorbenen Michael Nyquist
Origineller Indoor-Thriller in feschem 50er-Jahre Dekor, mit schnittigen Plotwendungen, verschlungener Rückspuldramaturgie, coolem Motown-Soundtrack und einem ganz großen Herz fürs Genrekino: »Bad Times at the El Royale«
Marvel-Antiheld Venom, eine Kultfigur der 80er und 90er Jahre kommt mit zwanzig Jahren Verspätung auf die Leinwand. Trotz guter Besetzung eine allzu bemühte Angelegenheit, die dramaturgisch bieder und ästhetisch einfallslos ausfällt

Film