Kritik zu Zwei Mütter

© Salzgeber

2013
Original-Titel: 
Zwei Mütter
Filmstart in Deutschland: 
30.05.2013
L: 
79 Min
FSK: 
12

Schwanger werden wird nicht leicht gemacht: Anne Zohra Berrached zeigt den schwierigen und oft skurrilen Weg eines lesbischen Paares zum eigenen Nachwuchs

Bewertung: 3
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Irgendwann im Film bringt es jemand folgendermaßen auf den Punkt: Gesetzlich darf heutzutage ja jede von jedem schwanger werden – nur lesbischen Paaren legt man ein paar wesentliche Hürden in den Weg. Anne Zohra Berrached schildert diese in ihrem auf vielen Erfahrungen von Freundinnen basierenden Film mit eigener Akribie. »Zwei Mütter« gleicht deshalb mehr einer Versuchsanordnung als einem Spielfilm: Katja (Sabine Wolf) und Isabella (Karina Plachetka) werden da als inniges Paar vorgestellt. Sie haben beschlossen, ein Kind zu bekommen. Der Zuschauer wird Zeuge eines Telefongesprächs mit einer Samenbank. Freundlich wird da die Auskunft erteilt, dass man Samen nur an regulär verheiratete Paare ausgebe – aus juristischen Gründen. Und die »eingetragene Lebenspartnerschaft«, so erfährt man hier wie nebenbei, entspricht juristisch keinesfalls dem Regulärverheiratet-Sein. Und das ist erst der Auftakt für den längeren Leidensweg, den Katja und Isabella mit ihrem Kinderwunsch noch vor sich haben.

Einer Versuchsanordnung ähnelt »Zwei Mütter« nicht nur, weil der Hindernislauf mit Rechtsanwälten, Ärzten, Internet und Samenspendern so sorgfältig stationsweise abgehandelt wird, sondern vor allem wegen des formalen Aufbaus: Das lesbische Paar wird von zwei Schauspielerinnen verkörpert, um sie herum aber agieren größtenteils sich selbst spielende Laien – Rechtsanwälte, Ärzte, Samenspender. Das ermöglicht dem Zuschauer einerseits das pure Beobachten dokumentarisch interessanter Szenen: etwa wenn Ärzte geschickt die juristische Schieflage finanziell ausbeuten oder der gemeine Samenspender und seine unterschiedlichen Intentionen entblößt werden, vom schlichten Sex zur reinen Freude an der eigenen Fruchtbarkeit. Andererseits sieht sich der Zuschauer durch das Schauspiel der beiden Hauptfiguren in ein diffiziles psychologisches Drama hineingezogen: So sehr geht Isabella auf in ihrem Wunsch, schwanger zu werden, dass Katja sich wie aus dem gemeinsamen Leben gedrängt fühlt. Diese psychologische Seite bildet zur dokumentarischen keine ideale Balance, trotzdem gibt Berracheds Film äußerst interessante Einblicke in die Niederungen deutscher Familienpolitik.

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