Kritik zu What a Man

© 20th Century Fox

Matthias Schweighöfer versucht sich an einer »romantic comedy« vor der Skyline Frankfurts. Als Hauptdarsteller, Regisseur und Kodrehbuchautor – und fällt damit auf die Nase. Richtig platt und peinlich

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Schweighöfer, als Akteur hinlänglich bekannt, geschätzt und mit vielen Preisen dekoriert (etwa als junger Schiller) stolpert durch ein hirnrissiges Kompendium von Vulgärgags, als sei er im sprichwörtlich falschen Film. Vielleicht ließe sich eine subtile Komödie à la Lost in Translation vorstellen, die ihm liegen könnte, aber What a Man strotzt vor Peinlichkeiten, für die das Adjektiv »frauenfeindlich« fast noch zu harmlos ist. Das Lexikon definiert Misogynie als »Frauenhass«, als »Ausdruck von individuell oder sozial bedingtem Sexismus«. What a Man ist die filmische Definition krassester Misogynie. Keine deutsche Komödie der letzten zwanzig Jahre bot eine Galerie derart dummer, abstoßender, geradezu widerwärtiger Frauenfiguren.

Schweighöfer verkörpert den braven, an Flugangst leidenden Grundschullehrer Alex, dessen Freundin Carolin (Mavie Hörbiger) sich gleich in den ersten Szenen als krakeelende Megäre erweist. Dass sie ihn mit dem Macho von nebenan betrügt, erscheint nur als adäquater Ausdruck ihres ätzenden Wesens. Alex, Inbild des Weichei-Warmduscher-Mannes, sucht Zuflucht und Rat bei seinem türkischstämmigen Kumpel Okke (Elyas M’Barek), der ihn in einem Crashkurs zur Verwandlung in einen »richtigen Mann«, das heißt einen »Stier-Mann«, verhelfen soll.

Die beiden gehen zum Beispiel am Rheinufer spazieren, und Okke erklärt, dass ein »richtiger Mann« der ist, der »den Frauen zeigt, wo es langgeht«. Schwenk auf den Rhein, wo bei einem Achter mit Steuerfrau die Frau die Kommandos brüllt. Man denkt sich, dümmer geht’s nimmer, aber weit gefehlt. Es folgen Mannwerdungslektionen im Boxring (wo Alex eine Frau k.o. schlägt), im Tattoo-Studio, im Wald bei einer abstrusen Baumfällertherapie. Die Gags landen im Klamauksumpf von »Analspreizern« und rotierenden Dildos. Macholehrmeister Okke findet auch die lustigsten Wendungen dafür, wie man Frauen das Wort verbieten muss: »'ne Kuh hat Pause, wenn Stiere reden!«

Etwas ansehnlicher wird die Geschichte, wenn sie in Richtung Romanze abbiegt und Sibel Kekilli als »love interest« ins Spiel kommt. Sie spielt Nele, Okkes Schwester und langjährige Freundin von Alex, der nach der Trennung von Carolin in ihrer Wohnung Unterschlupf findet. Sie ist die leuchtende Ausnahme als einziges nettes Frauenwesen. Zudem haben Kekillis Großaufnahmen eine Qualität von Schönheit und Geheimnis, die in diesem Vulgärklamaukumfeld wie ein absoluter Fremdkörper wirkt. Retten kann die Nele-Figur den Film nicht mehr, denn die restlichen Frauen, denen Alex begegnet, bleiben ein Ausbund an hysterischer Durchgeknalltheit.

Besonders schmerzhaft ist es, dabei zusehen zu müssen, wie sich Schweighöfer in schlecht getimten, an den Haaren herbeigezogenen Slapsticknummern zum Affen macht. Die Zeichnung der Milieus bleibt plakativ und ohne Glaubwürdigkeit. Was hat ein Grundschullehrer im Schickimickimilieu zu suchen? Mit Lebenswirklichkeiten hat das nichts zu tun, eher mit ranzigen Männerfantasien. Man fragt sich: Was ist Schweighöfer nur über die Leber gelaufen, dass er sich in eine derartige Misogynie verrannt hat?

Meinung zum Thema

Kommentare

Die einzige sinnvolle Kritik von what man, die bisher erschienen ist

What a Man ist schon ziemlich daneben was die Darstellung von Frauen angeht und es ist echt schade, dass Mavie Hörbiger, die ja eigentlich eine begabte Schauspielerin ist, sich für so eine frauenverachtende Rolle hergibt. Es ist auch kein Wunder, dass Sibel Kekilli die einzige ist, die in dem Film nicht voll abfällt. im Gegensatz zu M'Barek und Schweighöfer (nomen est omen: si tacuises) ist die wenigstens fürs Schauspielen wirklich begabt.

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