Kritik zu The Warlords

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Drei Blutsbrüder kämpfen an der Spitze eines irregulären kaiserlichen Regiments gegen Truppen der Taiping-Rebellen in China. Machtgier und Ehebruch führen zum Brudermord

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Hungersnöte und Rebellionen raffen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Abermillionen Chinesen dahin. Während der Kriegswirren trifft ein Kämpfer im Dienste des kaiserlichen Regimes auf zwei Banditenführer und wird ihr Blutsbruder. Unter seinem Befehl zieht eine irreguläre Söldnertruppe im Regierungsauftrag siegreich gegen Rebellenverbände zu Felde. Der Blutsbund zerbricht, als der Anführer rücksichtslos Karriere in der kaiserlichen Armee macht und einen seiner Brüder ermorden lässt, um dessen Frau zu erobern. Der Dritte im Bunde übt Vergeltung für das Attentat.

1973 war diese Geschichte unter dem Titel »Die Blutsbrüder des gelben Drachen« in deutschen Filmtheatern zu sehen. Regie bei dem Eastern-Klassiker führte Altmeister Chang Cheh, mehrere Szenen wurden von seinem Assistenten John Woo inszeniert. Unter dem Titel »The Warlords« erscheint das martialische Beziehungsdrama nun in einer neuen Version im Kino, nicht im Kungfu-Genre wie bei Chang Cheh, sondern als Kriegsfilm. Inszeniert von Peter Chan, bei uns bekannt durch »Hongkong Love Affair«. Die Choreographie der Kämpfe besorgte Siu-tung Ching, einer der Besten seines Fachs. Zwei weitere renommierte Veteranen des Hongkong-Kinos sind Kameramann Arthur Wong und Produktionsdesigner
Chung-man Yee.

Bei einer derart hochkarätigen Filmcrew überrascht es nicht, dass die visuelle Gestaltung des Films erstklassig ist, tadellos auch die schauspielerischen Leistungen der Stars Jet Li und Andy Lau. Dramaturgie und inhaltliche Kohärenz des Geschehens dagegen lassen zu wünschen übrig – im Abspann werden dann auch acht Drehbuchautoren genannt! Lücken in der komplexen Geschichte sorgen für Verwirrung, was auch mit der Kürzung des Films für den internationalen Markt zu tun haben mag. Die in China präsentierte Originalversion war 16 Minuten länger.

»The Warlords« beeindruckt mit spektakulärem Schlachtgetümmel und pittoresken Schauplätzen; drastisch wird die Brutalität der Gemetzel dargestellt, doch eine kritische Auseinandersetzung mit skrupelloser militärischer Machtpolitik erfolgt nur ansatzweise. Auch die Charakterzeichnung erfolgt nur skizzenhaft, die von den Rivalen begehrte Frau ist zu konturlos, um Empathie zu evozieren. Völlig unterbelichtet bleibt der historische Hintergrund: »The Warlords« spielt zur Zeit der Taiping-Revolution, dem größten Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts. Unter Führung von Hsiu-chuan Hung brach 1850 in Guangsi ein Volksaufstand los, der zur Gründung eines eigenen Staates im Kaiserreich führte. Der Taiping-Staat hatte theokratisches Gepräge, seine Ideologie vereinte Ideen aus dem Christentum, aus Taoismus und Buddhismus. Propagiert wurde unter anderem soziale Gleichstellung, auch der Frauen, Privatbesitz sollte abgeschafft werden. 1864 sorgte die Eroberung von Nanking durch kaiserliche Truppen für das Ende der sozialen Utopie.

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