Kritik zu Vacation

© Warner Bros.

Neuauflage der Komödienreihe um die Familie Griswold, nun mit Ed Helms in der Rolle, die einst Chevy Chase populär machte

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Vater hat das Sagen. Jedenfalls, wenn es um den Familienurlaub geht. Und so kommt es, dass Familie Griswold nach »Walley World«, einem Themenpark für Familien in der Nähe von Los Angeles, aufbricht, obwohl weder Ehefrau Debbie noch die beiden Söhne James und Kevin Lust dazu haben. Aber weil sein Vater Clark seinerzeit die Familie dorthin beförderte, tut es Sohn Rusty ihm nun gleich. Dass das eine Reise voller Tücken wird, ist auch demjenigen klar, dem der Name Griswold als Synonym für Katastrophe kein Begriff ist. Dafür reicht der Anblick des himmelblauen Mietwagens aus: Ausgestattet mit einer umfangreichen Fernbedienung, die natürlich nie so funktioniert wie sie sollte, ist er in Albanien hergestellt und somit für eine Reihe von Gags gut.

Zumindest dem amerikanischen Kinogänger sind die Griswolds als Protagonisten von vier Komödien vertraut, die zwischen 1983 und 1997 entstanden sind. »Die schrillen Vier auf Achse« (so der deutsche Verleihtitel des ersten Films, »National Lampoon’s Vacation«) variierte das Muster von der Reise, bei der der Weg das Ziel ist, auf dem die zerstrittenen Familienmitglieder wieder zusammenfinden. Der Nachfolgefilm »National Lampoon’s European Vacation« sah die Vier Europa unsicher machen – »Hilfe, die Amis kommen« wurde der Film hierzulande betitelt und fügte sich ein in die Phalanx jener US-Filme, die mit Wonne die Zerstörung europäischer Kulturgüter zelebrieren.

Zugeschnitten auf ihren Star Chevy Chase, war zumindest der erste Film, inszeniert von Harold Ramis und geschrieben von John Hughes, in vielen Passagen eine durchaus gelungene Satire auf den »American Way of Life«, mit einem Protagonisten, der seine mit wortreicher Selbstgewissheit kombinierte Unfähigkeit immer wieder unter Beweis stellte, dem man aber irgendwie nie richtig böse sein konnte. Ed Helms ist kein schlechter Nachfolger für Chase (der gegen Ende als Großvater selbst noch auftaucht), gerade auch in der Kombination mit Christina Applegate als Ehefrau, die trotz all seiner Fehler immer noch etwas für ihn übrig hat – zumal Applegate das höchst deadpan-mäßig spielt.

Der Humor des Films, mit dem die Darsteller und Autoren Jonathan Goldstein und John Francis Daley (»Kill the Boss«, »Der unglaubliche Burt Wonderstone«) ihr Regiedebüt geben, variiert dabei ebenso wie seine Landschaften. Am besten funktioniert der Besuch bei Debbies Schwester, wo Chris Hemsworth als deren Ehemann, ein überheblicher Wetteransager und Rinderzüchter, einiges raushängen lässt, nicht nur seinen Machismo. Und in einer Sequenz, mit der der Film das Terrain von Judd Apatow zu betreten scheint (»Sex in vier Bundesstaaten!«), die sich dann aber ganz anders entwickelt und schließlich in ein höchst absurdes Finale mündet. Wenn der Film kein Kassenhit wird, dürfte er nicht mehr als eine Fußnote zur ursprünglichen Filmreihe markieren.

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