Kritik zu Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen

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Küsse oder Bisse? Das ist die lebensentscheidende Frage bei einer Vampir-Romanze. Catherine Hardwicke, die sich in »Thirteen« und »Lords of Dogtown« bereits auf jugendliche Außenseiter spezialisiert hat, hat Stephenie Meyers Jugendbestseller verfilmt

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Auch Vampire brauchen Liebe. Liebe in der ultimativen Ich-sterbe-für-dich-Version. Und sie verdienen diese Liebe auch, wenn sie so hinreißend cool, schön und gefährlich aussehen wie Robert Pattinson (man kennt ihn als Cedric Diggory aus zwei »Harry Potter«-Filmen), der in »Twilight« als Edward Cullen den sexyesten Untoten der bisherigen Filmgeschichte verkörpert. Ein Film für schwärmerische Teenie-Girls? Ja, aber nicht nur. Catherine Hardwickes Adaption des Bestsellers von Stephenie Meyer ist eine sinnlich-elegant fotografierte, mit einem bezaubernden Liebespaar ausgestattete Teeniefantasie, die mit einem außergewöhnlichen Story-Trick überrascht. Sie kombiniert im Medium einer Vampirgeschichte zwei archetypische Lovestory- Muster. Das Prinzip »Romeo und Julia«: die erste, unbedingte Liebe, die sich gegen alle Widerstände durchsetzen muss, und das Prinzip »Die Schöne und das Biest«: der Geliebte ist ein Monster, das durch die Liebe vielleicht erlöst werden kann.

Zu Beginn schlägt Hardwicke erst mal den Tonfall einer hemdsärmeligen Realistik an, wenn die 17-jährige Bella Swan (Kristen Stewart) von Arizona ins kleinstädtische Forks (Washington) übersiedelt. Bella ist das Inbild mädchenhafter Unschuld, Typ scheues Reh, aber an der Highschool zelebriert sie ihr Außenseitertum doch eigenwillig und selbstbewusst. In der Cafeteria dann der entscheidende Blickwechsel, der die Geschichte in seine fiebrige Liebesfabeldimension katapultiert: Gebannt fixiert Bella den mysteriösen Edward, der seinerseits mit einem eher drohenden Blick antwortet. Fortan werden die beiden wie in einem Magnetfeld zueinander hingezogen. Es dauert nicht lange, bis Bella resümiert: »Drei Dinge sind mir klar. Erstens: Edward ist ein Vampir. Zweitens: es gibt eine Seite in ihm – und ich weiß nicht, wie dominant sie ist –, die nach meinem Blut verlangt. Drittens: ich bin bedingungslos in ihn verliebt!«

Catherine Hardwicke hatte immer schon ein besonderes Gespür für die Seelenlage adoleszenter Mädchen, für deren Sehnsucht nach der großen Liebe, für den Das-erste-Mal-Zauber: erster Blick, erste Berührung, erster Kuss. Im Kern handelt »Twilight« genau davon. Dass der Geliebte hier ein Vampir ist, erhöht die Spannung und ermöglicht eine mit trockenem Witz akzentuierte Fantasierlust. Allerdings ist Edward ein gefahrenreduzierter Vampir, er entstammt einem Clan, der sich nicht mehr an Menschen, nur mehr an Tieren blutsaugerisch betätigt. »Wir betrachten uns als Vegetarier!«, scherzt er.

Damit auch ein Jungs-Publikum auf seine Kosten kommt, gibt es böse Gegenspieler, die auf menschliche Halsschlagadern scharf sind und in einem rasanten Action-Showdown niedergerungen werden müssen. Da nimmt Edward seine Bella huckepack und saust mit ihr durch die Lüfte. Auch wenn »Twilight« seinem Liebespaar keine Sexszene gestattet, so geht zumindest metaphorisch in dieser Hinsicht kräftig die Post ab.

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