Kritik zu Treeless Mountain

© Peripher

2008
Original-Titel: 
Treeless Mountain
Filmstart in Deutschland: 
01.03.2012
L: 
89 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Im koreanischen Seoul verlässt eine Mutter ihre zwei kleinen Mädchen, die daraufhin lernen müssen, aufeinander achtzugeben: Nach ihrem in Kanada spielenden Erstling In Between Days kehrt die Regisseurin So Yong Kim in ihre Heimat zurück

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Das Leben der sechsjährigen Jin und ihrer jüngeren Schwester Bin ändert sich von einem Tag auf den anderen. Die Mutter verlässt zusammen mit den Mädchen die gemeinsame Wohnung in Seoul, um, wie sie erklärt, den Vater der Kinder zu suchen. Jin und Bin werden bei der Schwägerin in einer nahen Kleinstadt abgegeben. Zum Abschied schenkt die Mutter den Mädchen noch ein Sparschwein, das sie mit Münzen füllen sollen. Wenn das Sparschwein voll ist, verspricht sie, werde sie die beiden wieder abholen. Die Mädchen wissen kaum, wie ihnen geschieht, da ist die Mutter schon aus ihrem Leben verschwunden.

»Treeless Mountain« (2008)

Bin ist noch zu jung, um ihre Gefühle einordnen zu können, aber Jin verspürt bereits eine schleichende Trauer über den Verlust der Mutter. Die Tante weiß mit den Kleinkindern nichts anzufangen und überlässt sie meist sich selbst. Einmal benutzt sie eine Verletzung Jins sogar als Vorwand, um von der Mutter eines Spielkameraden Geld für Medikamente zu erpressen – welches sie umgehend für Alkohol ausgibt. Wenn die Tante nicht die Wohnungstür öffnet, kommen die Mädchen bei einer Nachbarin unter, mit deren kranken Sohn die Mädchen Freundschaft schließen.

»Treeless Mountain« (2008)

Es liegt eine schöne Selbstverständlichkeit im Spiel der Kinder, das die koreanische Filmemacherin So Yong Kim in ihrem zweiten Spielfilm Treeless Mountain mit unendlicher Geduld beobachtet. So kaputt das Familiengefüge sein mag, die Gemeinschaft der Kinder untereinander gibt den Mädchen Halt.Solche Phasen der Unbeschwertheit wechseln sich in Treeless Mountain mit Momenten von Trauer ab. Kim registriert diese Gefühlsregungen mit großer Sorgfalt. Noch bewegender ist jedoch, wie natürlich sich die beiden Mädchen in ihre Rollen fügen. Der klare Blick Kim Hee-Yeons, die Jin spielt, strahlt in manchen Szenen eine erstaunliche Selbstsicherheit aus, an der sich auch die jüngere Song Hee orientieren kann. Die Intensität ihres Spiels, verbunden mit einer kindlichen Leichtigkeit, erinnert mehr als einmal an Jacques Doillons Ponette. Und genauso wie Kim Hee- Yeon Song Hee zu leiten scheint, beginnt sich auch Jin langsam ihrer Verantwortung für ihre kleine Schwester bewusst zu werden.

»Treeless Mountain« (2008)

Kim vermischt in Treeless Mountain Märchenelemente mit einem offenen, dokumentarischen Gestus, der aus ihrer eigenen Biografie herrührt. Auch die Regisseurin wuchs bei ihrer Großmutter auf; die Mutter war in jungen Jahren nach Amerika ausgewandert, um ihren Kindern ein bessere Leben zu ermöglichen. Von dieser schmerzhaften Verlusterfahrung ist ihr Film geprägt. Das Sparschwein wird dabei zum magischen Objekt, das eine Verbindung zur abwesenden Mutter herstellt. Zusammen mit einem Nachbarsjungen fangen die Mädchen Grashüpfer, die sie grillen und an andere Kinder verkaufen. Das Sparschwein füllt sich noch schneller, als sie lernen, dass man die großen Münzen gegen viele kleine wechseln kann. Aber an einer märchenhaften Auflösung, wie auch Doillon sie anbot, ist Kim nicht interessiert. Treeless Mountain findet Trost in der Unschuld der Kinder, mit der sie sich die Versehrungen der Erwachsenenwelt noch ein paar Jahre vom Leib halten.

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