Kritik zu Tears of April

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Nicht erst seit Douglas Sirks »A Time to Love and a Time to Die« bildet der Krieg gern den Hintergrund für ebenso tiefe wie unerfüllte Liebe. Aku Louhimies' Verfilmung des erfolgreichen Romans der Finnin Leena Lander bleibt da ganz dem Genre treu

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Gegen Ende des finnischen Bürgerkriegs fällt ein rotgardistisches Frauenbataillon in die Hände von bürgerlichen Weißgardisten. Die Frauen werden vergewaltigt und daraufhin willkürlich exekutiert, was der Film in drastischen, aber doch maßvollen, kühlen Bildern zeigt. Nur die toughe Anführerin Miina kommt durch Zufall mit dem Leben davon. Harjula, ein aufrechter, junger Elitesoldat mit humanistischen Idealen, will ihr einen ordentlichen Prozess ermöglichen.

Richter Hallenberg, so Harjulas Hoffnung, wird ein gerechtes Urteil über die junge Frau fällen. Schließlich ist der Kriegsrichter als Poet und Schriftsteller berühmt. Nach einer aufreibenden Eskorte, während der Harjula sich in seine schöne Gefangene verliebt, trifft er in dem Richter jedoch einen gnadenlosen Zyniker an. Der vermeintliche Schöngeist erweist sich als Zigarre rauchender Dandy, der zwischen den Exekutionen stilvoll diniert und den »Erlkönig« auf Deutsch rezitiert. Der Film zeigt ihn zunächst als Voyeur, der Miina heimlich beim Waschen begafft. Aber eigentlich ist er schwul und benutzt Miina als Druckmittel, um den gut aussehenden Harjula ins Bett zu bekommen.

Spätestens hier verflacht das Historienmelodram. Neben der klischeehaft überzogenen Figur des homosexuellen Monsters, das zu Beethovens achter Sinfonie an seiner Leidenschaft leidet, zeigen Pihla Viitala als Miina und Samuli Vauramo als Harjula zwar überzeugende darstellerische Leistungen. Auch visuell ist der Film ansprechend. Doch die Einbindung des Geschehens in den historisch-politischen Kontext bleibt vage.

So werden die Motivationen der Charaktere weniger aus der Situation als aus den Genrevorgaben des Melodrams bestimmt. Der talentierte Nachwuchsregisseur Aku Louhimies, der unter anderem für seinen tolstoiinspirierten Film »Frozen Land« viel Lob erhielt, hat sich an diesem historischen Stoff doch etwas verhoben.

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