Kritik zu South

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Zwölf Jahre haben die österreichischen Filmemacher Gerhard Fillei und Joachim Krenn an ihrem englischsprachigen Schwarz-Weiß-Thriller gearbeitet, weshalb man in ihm auch noch einmal die Twin Towers des World Trade Centers sehen kann

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Bruce McGray (Matthew Mark Meyer) ist auf der Flucht vor dem FBI. Und auf der Suche nach sich selbst. Denn seine Erinnerung weist große Lücken auf. Nach einem gescheiterten Banküberfall, bei dem es auch Tote gegeben hat, flüchtet Bruce von Los Angeles nach New York, um unterzutauchen. Von seiner ehemaligen geliebten Maria (Jimena Hoyos) bekommt er das Tagebuch einer unbekannten Frau geschickt. Verzweifelt versucht er herauszufinden, was dieses Buch mit ihm zu tun hat. Vielleicht kann ihm seine schöne Nachbarin Dana (Claudia Vick), bei der er mit seiner Schussverletzung Zuflucht findet, helfen?

Inhaltlich orientiert sich »South« klar an den amerikanischen Schwarz-Weiß-Thrillern der schwarzen Serie aus den 40er und 50er Jahren. Doch formal überrascht der erste abendfüllende Spielfilm der beiden österreichischen Filmemacher Gerhard Fillei und Joachim Krenn den Zuschauer mit experimentierfreudiger Wucht. Optische Assoziationen aus Amateurfilmaufnahmen und Dokufilmmaterial vermischen sich in schnellen Schnittabfolgen. Die grobkörnig verwackelten Tag- und Alptraumbilder der Kameramänner Joachim Krenn und Jarrod Kloiber verleihen dem Film eine reizvoll befremdliche und unwirkliche Atmosphäre. Doch dieser konsequente Stilwillen wird bald zum Problem des Films. Als Rückblenden oder Erinnerungsfetzen des verwirrten Protagonisten Bruce machen die filmischen Verfremdungen durchaus Sinn. Aber soll die pseudodokumentarische Wackelkamera der in den 70er Jahren stattfindenden Realitätsebene suggerieren, bei dem Film handle es sich um authentisches Filmmaterial, dass von vielen versteckten Kameras aufgezeichnet wurde?

Der kühne Verweis auf David Lynchs »Lost Highway« und Christopfer Nolans »Memento« auf dem Filmplakat benennt Vorbilder der Filmemacher und lässt erahnen, welches Ziel sie mit ihrem visuellen Konzept verfolgen. Doch der Vergleich geht nicht auf und weckt falsche Erwartungen. Denn leider erinnern die überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder in ihrer Ästhetik viel mehr an Werbeclips für edle Duftwässerchen oder überteuerte Luxusunterwäsche. Die dauernde akustische Berieselung durch einen cool entspannten Lounge-Soundtrack unterstreicht den Weichspülereffekt. Vielleicht wäre der Vergleich mit Lynchs Werbefilmchen für »Obsession by Calvin Klein« treffender gewesen. Das dominante optische Konzept verschleiert die ohnehin schon unnötig durch Zeitsprünge verschachtelte Erzählstruktur des Films und verhindert eine klare Sicht auf die Filmfiguren. Ständig befinden die sich im Halbdunkel, in einer Unschärfe oder verlieren sich in der hohen Schnittfrequenz der Bilder. Das hat auf den ersten Blick ohne Zweifel seinen Reiz. Doch die nicht enden wollenden Schärfenverlagerungen ermüden bald die Augen und behindern schließlich die Identifikation mit den ohnehin recht unbeholfen agierenden Schauspielern. So verliert sich die ambitionierte Huldigung an den Film noir in selbstzweckhaften visuellen Spielereien.

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