Kritik zu Shazam!

© Warner Bros. Pictures

Keiner braucht einen weiteren Helden mit Cape und Spandex-Hosen, aber mit Shazam bekommt das DC-Universum eine erfrischende Ergänzung, die auf ansprechende Weise im kleinen Radius bleibt

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So gut läuft das Geschäft mit Superheldenfilmen, dass sie im Moment die Kinolandschaft auf fast erdrückende Weise dominieren. Noch eine weitere Figur mit Cape, egal ob aus dem DC- oder dem Marvel-Universum braucht eigentlich niemand. Zumal alles, was vor zehn Jahren als Genre-Innovation ins Kino kam, inzwischen wieder zur Konvention erstarrt ist. Aber »Shazam!« gelingt dann doch noch einmal eine überraschend erfrischende Wende im Genre.

Es geht mal wieder »back to the roots«: Mit lauter Hauptfiguren im Teenager-Alter bringt »Shazam!« die Superhelden-Kultur in jenes Milieu zurück, wo sie ihre elementarste Funktion erfüllt: durch imaginierte, geheime Identitäten Träume am Leben zu halten. Der 14-jährige Billy (Asher Angel) hat als 7-Jähriger im Getümmel eines Vergnügungsparks seine Mutter verloren und wird seitdem durchs amerikanische Pflegefamiliensystem gereicht. Immer wieder haut er ab, weil er die Suche nach ihr nicht aufgeben kann. Selbst aus der neuesten Familie will er schnell wieder raus, obwohl die wirklich nett scheint und mit fünf weiteren Pflegekindern verschiedensten Alters und Hautfarbe vielfältige Anschlussmöglichkeiten bietet. Wie etwa Freddy (Jack Dylan Grazer), der nur weniges jünger ist, aber einen wunderbaren Sinn für Humor hat und großes Wissen über Superhelden an den Tag legt. Was sich sehr schnell als überaus nützlich erweisen wird.

Durch Ereignisse, die der Film mit einer Schlüssigkeit erzählt, die selten geworden ist im Genre, wird nämlich aus Billy der Superheld Shazam. Soll heißen, er nimmt die körperliche Gestalt des 39-jährigen Schauspielers Zachary Levi an, samt rotem Spandex-Anzug, weißem Cape und Blitz-Emblem auf der Brust. Innerlich aber bleibt Shazam der 14-jährige Junge, der mit seinen Superkräften erstmal gar nichts anzufangen weiß. Hier kommt Freddys geballtes Nerd-Wissen zum Einsatz: Systematisch testen die beiden Jungs durch, was Shazam so alles kann: Fliegen? Kugeln abwehren? Unsichtbarkeit? Übermenschliche Körperkraft? Laser-Vision? Sehr schnell bekommt die Testreihe neue Dringlichkeit, weil mit Dr. Sivana (Mark Strong) ein Bösewicht auftaucht, der es auf Shazams Kräfte abgesehen hat, um damit die »Sieben Todsünden« auf die Welt loszulassen.

»Shazam!« wirkt auch deshalb so frisch, weil der Humor sich völlig aus den Alltagssituationen der Jungs herleitet. Aus dem vieldeutigen Gegensatz zwischen Anspruch und Realität, zwischen Angeberei und Unsicherheit, zwischen kindlicher Angst und erwachsener Bedrohung, den Zachary Levy in seinem uneitlen, überbordernden Auftritt immer wieder neu sichtbar macht. Wobei das Superhelden-Gewese samt seiner inzwischen so ermüdenden Selbstreferentialität hier angenehm in den Hintergrund gerückt wird. Mark Strong gibt einen formidablen, cartoon-haften Bösewicht, aber das wahre Drama spielt sich nicht zwischen ihm und Shazam ab, sondern zwischen Billy und Freddy und so schwierigen Fragen, wie der, ob es sich lohnt, seine Autonomie aufzugeben, um Teil einer Familie zu werden?

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