Kritik zu Shalom Italia

© GMfilms

2016
Original-Titel: 
Shalom Italia
Filmstart in Deutschland: 
04.05.2017
S: 
Musik: 
V: 
L: 
71 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Die israelische Dokumentarfilmerin Tamara Tal erzählt von drei Söhnen einer jüdischen Familie, die Monate der Verfolgung in einer toskanischen Höhle überlebten und nun aus Erinnerungsgründen zur Spurensuche zurückkehren

Bewertung: 3
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Der schwer beladen zwischen üppig grünen Hügeln herumkurvende Geländewagen lässt an eine Expedition irgendwo im Süden dieser Erde denken. Das ist gar nicht so falsch. Denn das Auto ist in der italienischen Toskana unterwegs. Innen drin drei jüdische Brüder, die sich im Winter 1943 einige Monate lang gemeinsam mit einer Schwester, den Eltern und den Großmüttern in einer Höhle hier im Wald vor den deutschen Besatzern versteckt hatten. Jetzt sind sie für eine Reise aus ihrem neuen Leben in Israel zu den Resten ihrer Kindheit zurückgekommen. Doch den ehemaligen Unterschlupf zu finden, ist gar nicht leicht.

Bubi, der jüngste, hat mittlerweile einen Zweitwohnsitz in der Region und seine beiden sehr unterschiedlichen Brüder – beide Exprofessoren – für die gemeinsame Unternehmung nach Italien geholt. Während der 84-jährige Emmanuel nur widerwillig wieder in die verstörenden Erinnerungen eintaucht, ist der zwei Jahre jüngere Andrea voller Enthusiasmus bei der Sache. Ja, er behauptet sogar provozierend, damals im toskanischen Wald richtig glücklich gewesen zu sein: »Ich hatte während der Shoah eine schöne Zeit.« Und wie in jeder Studi-WG gibt es auch zwischen den drei alten Herren Reibungen um die geplanten Aktivitäten oder die Frühstücksvorbereitung.

2011 hatte die israelische Filmemacherin Tamar Tal in ihrem vielfach preisgekrönten Film »Life in Stills« die anrührende Geschichte einer Oma-Enkel-Annäherung mit der im Archiv gesammelten Erinnerungsgrundlage des Landes Israel verknüpft. Auch diesmal ist die Erinnerung Hauptthema des Films, doch statt der fotografischen Materialisierung wird ihr prekärer Status im einzelnen oder kollektiven Gedächtnis betont: Sind die Flitzebögen, an die sich Andrea so gut erinnert, etwa nur seine Erfindung? Und was ist mit den bei den Unterstützern im Dorf umlaufenden Erzählungen über die von den jüdischen Flüchtlingen mitgebrachten Schätze? Erzählt ist die humorvoll anrührende kleingroße Abenteuergeschichte im wackligen Handkamera-Stil mit manchmal doch arg penetrant klimpernder Musik.

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