Kritik zu Sex On The Beach

© Universum

2011
Original-Titel: 
The Inbetweeners Movie
Filmstart in Deutschland: 
02.02.2012
L: 
97 Min
FSK: 
16

»Britsh Pie« lautet eine Umschreibung für die Teeniekomödie, die in diesem Sommer in Großbritannien alle Kassenrekorde schlug. Vier blasse Jungs trauen sich in ihren ersten elternfreien Urlaub ans Mittelmeer

Bewertung: 3
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Im britischen Serienhit »The Inbetweeners« machten sich vier Jungs, die sich nicht nur in der schulischen Hackordnung ziemlich weit unten befanden, gekonnt zum Narren. Bei der filmischen Verwertung der TV-Serie war schon aus realbiologischen Gründen Eile geboten; lange können die vier Mittzwanziger in den Hauptrollen nicht mehr als Teenies durchgehen. Da lag es nahe, das Quartett als krönenden Abschluss in den ersten elternfreien Urlaub zu schicken. Denn Ferien stellen nicht nur in Teeniefilmen die Lizenz für ein Benehmen dar, das noch peinlicher ist, als es von Pubertierenden ohnehin erwartet wird. Also fliegt die unglückselige Truppe mit schlecht sitzenden Shorts und hochfliegenden Erwartungen ins kretische Malia. In der britischen Ballermannvariante soll die ewige Verheißung von Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll in Erfüllung gehen. Stattdessen durchlaufen die uncoolen Touris einen Parcours von mal mehr, mal weniger originellen Blamagen, angefangen von ihrer versifften Absteige über interne Händel, Kater, Toilettenprobleme und Herzschmerz..

Anders als in der TV-Serie reizt Regisseur Ben Palmer im Stil amerikanischer Männerkomödien mit verbalem Unflat und atemberaubend analfixierten Scherzen beherzt die Grenzen des guten Geschmacks aus. Die Gags sind ebenso oft zum Kaputtlachen wie zum Brechen – weniger aggressiv als etwa in American Pie, viel lustiger als in vergleichbaren deutschen Komödien. Das liegt auch an den gut ausgearbeiteten Charakteren: Will, der ebenso beredte wie gehemmte Woody-Allen- Typ, Jay, das unsichere Großmaul, der sensible Frauenliebling Simon, der den Mädels mit seinem Liebeskummer über seine Ex die Ohren vollheult, sowie der ewig grinsende Lulatsch Neil, der alle und alles nimmt, wie’s kommt. Mittels treffender Situationskomik feiern die peinlichen Vier die urbritische Befähigung zu gnadenloser Selbstironie.

Anders als es nostalgieselige Erwachsene wollen, wird die Pubertät hier realistisch als eine See voll Plagen dargestellt, gegen die man sich nur mit Humor wappnen kann. So hat etwa der Balztanz der vier vor einer Mädchenclique in einer leeren Disco die Chance, als beste Fremdschämszene in die Filmgeschichte einzugehen. Den ästhetischen Super-GAU´stellen besonders Erotik- oder besser: Fummelszenen dar. Nebenbei täuschen die Drehbuchautoren gerne formelhafte Romanzenhandlungsverläufe an, um sie quasi mit quietschenden Reifen abzubremsen: Zärtliche Gesten werden mit Herzlosigkeit quittiert, der erlösende Sprung ins Meer zur Liebsten endet im Rettungshubschrauber. Ohnehin werden die belämmerten Jungs von Respektspersonen wie Vätern und Schuldirektoren mit einem derart niederschmetternden Zynismus niedergemacht, dass vor dem Griff zum Strick nur britischer Galgenhumor bewahrt.

Doch weil auch diese Jungskomödie ein Märchen ist, gewährt das Drehbuch den Dödeln Trost in Gestalt leidensfähiger Mädchen, wie es sie nur im Film gibt. Selbst das Happy End aber ist von der Ahnung durchzogen, nie zu den Coolen und schmerzlos Braungebrannten zu gehören. Der grenzdebile Neil, das Sonnenscheinchen der Clique, beweist, dass Glück etwas für Doofe ist.

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