Kritik zu Reşeba – The Dark Wind

- kein Trailer -

2016
Original-Titel: 
Reşeba – The Dark Wind
Filmstart in Deutschland: 
05.04.2018
L: 
92 Min
FSK: 
Ohne Angabe

An Originalschauplätzen und mit Betroffenen inszeniert Hussein Hassandie Geschichte einer jesidischen Braut, die vom IS entführt wird, und ihres
Bräutigams, der sie sucht

Bewertung: 3
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Eine Hochzeit wird vorbereitet im jesi­dischen Dorf. Reko will Pero heiraten, beide lieben einander. Doch ihrem Glück wird keine Dauer beschieden sein im Jahr 2014, denn der IS fällt mit schwarzen Flaggen und Schnellfeuergewehren ein in den friedlichen Alltag der Dorfbewohner. Schon säumen Tote den Wegesrand. Wer kann, flüchtet in die Berge. Die jungen Frauen, die sich im Gebetshaus versteckt hatten, werden herausgetrieben, entführt und als Sklavinnen verkauft. Dieses Schicksal ereilt auch Pero. Doch Reko begibt sich auf die­ ­Suche nach ihr.

Diese Suche strukturiert die Erzählung des Spielfilms »Reşeba – The Dark Wind« von Hussein Hassan. Reşeba ist die kurdische Bezeichnung für das plötzliche Aufkommen eines sogenannten »dunklen Windes«, der Hunger, Elend und Tod verursacht. Die Jesiden bezeichnen auch IS-Kämpfer als ­Reşeba. Rekos Weg führt unter anderem in ein Flüchtlingslager der Jesiden im Norden des Iraks, er fährt aber auch an die Grenze zu Syrien und in Gebiete, in denen sich Peschmerga-Einheiten und der IS Gefechte liefern. Die Kriegsszenen sind nicht inszeniert; dazu hätte dem Regisseur ohnehin das Geld gefehlt. Vielmehr ist es so, dass sich sein Filmteam zwischen echten kurdischen Kämpfern an der Front bewegte und zweimal zum Ziel von Angriffen durch den IS wurde.

Das sollte man wissen, um diesen Film angemessen einordnen zu können. Hussein Hassans neue Regiearbeit ist zum ­einen ein Dokument von Kunstproduktion unter schwierigsten, ja lebensgefährlichen Be­dingungen, das direkt Partei ergreift für Jesiden und Kurden. Zum anderen werden hier die Massaker an Jesiden und die Situation der Geflüchteten im Irak authentisch dokumentiert und durch die Mitwirkenden beglaubigt. Mit Ausnahme der Hauptdarstellerin Dimen Zandi als Pero wurden alle Charaktere mit Jesiden besetzt, auch der Darsteller des Reko, Rekesh Shabaz, gehört dieser Glaubensgemeinschaft an. Zudem traten der Crew Geflüchtete bei, die in Duhok und nahegelegenen Regionen lebten. Dem Regisseur zufolge erleichterte das vor allem im Flüchtlingslager Khanke und dem heiligen jesidischen Ort Lalesh die Dreharbeiten.

In Lalesh wurde zum ersten Mal überhaupt gedreht. Hier suchen die schwer traumatisierten Jesidinnen im Film wie in der Realität Kraft und Rehabilitation, nachdem sie aus der Sklaverei befreit oder freigekauft wurden. Das jesidische Konzil spricht sie zwar »rein« – ihre Stellung in der Gemeinschaft ist nach der Rückkehr indes die von Außenseiterinnen, die wegen ihrer Missbrauchserfahrung nicht mehr hineinpassen. Hassans Film thematisiert in der ­Figur der Pero vor allem die unvorstellbaren Nöte solcher Frauen, die zwangsweise zum Islam konvertiert, vergewaltigt sowie gefoltert wurden und oft genug schwanger aus der Sklaverei zurückkehrten.

All das wurde in eine fiktive Form überführt, weil nur wenige der betroffenen Frauen vor einer Kamera über ihre Erfahrungen sprechen wollten und dies auch nur sehr zögerlich und zurückhaltend. Deshalb hat Hassan die Idee einer klassischen Dokumenta­tion aufgegeben. »Reşeba – The Dark Wind« ist generell der erste fiktive Film über Jesiden und als solcher allein schon verdienstvoll.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ich habe interesse den Film zu sehen und auf DVD zu bestellen, konnte den Film aber bei den mir bekannten Webseiten nirgends zum kaufen finden. Können Sie mir da weiterhelfen?
LG

Liebe Frau Bannier,

am besten kontaktieren Sie hierzu den Verleih unter folgendem Link: mitosfilm

Besten Gruß,

Christian Hein

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