Kritik zu Parker

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»Irgendwann gibt jeder auf«, Taylor Hackford (Ray, Im Auftrag des Teufels) hat den 19. Roman der »Parker«-Reihe von Donald E. Westlake verfilmt

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Schon Bertolt Brecht hat es im Finale seiner »Dreigroschenoper« beklagt. Auch das Verbrechen ist längst zu einem Geschäft großer Organisationen geworden. Der Einzelne, der sich spezialisiert hat, für den Diebstähle und Raubüberfälle durchaus so etwas wie ein klassisches Handwerk sind, wird zwar immer noch gebraucht. Aber als freier Unternehmer steht er letztlich auf verlorenem Posten. Umzu überleben, muss er sich in das System einfügen, ein Teil von ihm werden. Doch das kommt für einen Mann wie Parker, ein Profi, der seinesgleichen sucht, nicht infrage.

In über zwanzig Romanen hat Donald E.Westlake diesen Dieb und Killer gegen das System kämpfen lassen. Sein Parker ist nicht nur ein von jeglicher Moral unbelasteter Antiheld, der seine eigenen Interessen mit erschreckender Zielstrebigkeit verfolgt. Er ist auch die amerikanische Antwort auf die anarchistischen Einzelgänger aus den Stücken des jungen Brecht. Es steckt eine ungeheure Sprengkraft in dieser Figur, die sich allen Versuchen psychologischer Erklärungen entzieht. Als amerikanischer Archetyp hat sie zudem so unterschiedliche Filmemacher wie Jean-Luc Godard (Made in U.S.A.), John Boorman (Point Blank), John Flynn (Revolte in der Unterwelt), Brian Helgeland (Payback) und nun Taylor Hackford in ihren Bann gezogen. Nach einem Überfall auf die Kasse eines großen Volksfests in Columbus, Ohio, muss der von Jason Statham gespielte Parker auf schmerzliche Weise erkennen, dass seine Partner ein doppeltes Spiel treiben. Sie wollten die Beute nie aufteilen, sondern in einen noch viel größeren Coup investieren. Als Parker dazu nicht bereit ist, schießen sie auf ihn und lassen ihn am Straßenrand zurück. Ein Farmer, der zufällig vorbeikommt, entdeckt und rettet ihn.

Von dem Moment an, in dem er im Krankenhaus wieder aus dem Koma erwacht, hat Parker nur noch ein Ziel. Er will seine ehemaligen Komplizen aufspüren und sich rächen. Selbst als er schon weiß, dass sie unter dem Schutz der Chicagoer Mafia stehen, verfolgt er sie weiter nach Palm Beach. Dort gibt er sich mit Hilfe der von Geldsorgen geplagten Immobilienmaklerin Leslie (Jennifer Lopez) als reicher Texaner aus und bereitet alles für seinen eigenen Coup vor.

Wie Parker ist auch sein Regisseur Taylor Hackford ein wahrer Profi. Jede Szene von Parker könnte als Musterbeispiel von inszenatorischer Präzision und Ökonomie dienen. Hackford verschwendet nicht einen Moment an Nebensächliches. Selbst wenn er einmal abzuschweifen oder gar den erzählerischen Fokus zu verlieren scheint, folgt er doch noch den verschlungenen Pfaden der Vorlage.

Ganz so radikal wie Westlake können Hackford und Statham, der Parker fast schon wieder in einen – wenn auch ziemlich kühlen – Helden verwandelt, nicht mit den Gewohnheiten und Erwartungen des Genrepublikums brechen. So spielt der Zufall in der Verfilmung eine weitaus weniger gewichtige Rolle als im Roman. Doch das brechtianische Element, diese Westlake eigene Mischung aus purer Anarchie und gezielter Verfremdung, ist trotz allem unverkennbar, besonders in den Szenen zwischen Jason Statham und Jennifer Lopez, die eben kein Paar, sondern eine Zweckgemeinschaft bilden. Nur so können zwei echte Außenseiter das organisierte Verbrechen und im gleichen Zug auch das kapitalistische System austricksen.

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