Kritik zu Nur wir drei gemeinsam

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Der französische Schauspieler und Komiker Kheiron erzählt die dramatische und wechselvolle Geschichte seiner Familie zwischen dem Iran und Frankreich – in Form einer schwungvollen Komödie

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Sieben Jahre verbringt der junge Hibat in den 70er Jahren in einem finsteren Gefängnis des Schahs als politischer Gefangener. Als er freikommt und die Revolution das alte Regime hinwegfegt, werden die Zustände im Iran nicht besser. Die islamistische Herrschaft von Ayatollah Khomeini regiert ebenso diktatorisch, aber Hibat gibt seinen Kampf für Demokratie nicht auf. Er und seine Mitstreiter arbeiten im Untergrund für ihre sozialistischen Ideale, unter Einsatz ihres Lebens – bis ihm nur noch ein Ausweg bleibt: die gefahrvolle Flucht mit Frau und Kleinkind über die Berge, außer Landes und in Richtung Europa.

Was nach düsterem Politdrama klingt, kommt in »Nur wir drei gemeinsam« erstaunlich quirlig daher. Das ist umso bemerkenswerter, da Regisseur Kheiron nicht irgendeine Geschichte erzählt, sondern die seiner Eltern. Er selbst, in Frankreich ein bekannter Stand-Up-Komiker, spielt seinen Vater Hibat, seine Mutter Fereshteh wird von der wunderbaren Leïla Bekhti (»Ein Prophet«) verkörpert. Dass Kheiron auch Rapper ist, hat sich seinem Film eingeschrieben: Die epische Handlung mit ihren dramatischen Wendungen, eingefangen in Bildern von stimmigem Zeitkolorit, übersetzt er in einen Rhythmus, der stellenweise an Sprechgesang erinnert. Harte Brüche und rasantes Cross-Cutting kennzeichnen die Montage, werden aber immer wieder durchbrochen von stillen Szenen. So findet ein leicht naives Flair zwanglos mit Ironie, Sarkasmus und plakativen Pointen wie aus einem Comic zusammen. Die Inszenierung schafft es sogar, eine Sequenz von Isolationshaft und brutaler Misshandlung mit sanft perlender Klaviermusik zu kombinieren, ohne dass das geschmacklos wirkt.

Beschönigt wird nichts, nur gelegentlich ins Absurde umgeleitet; Märchenhaftes kennzeichnet die Gestaltung, nicht das Geschehen. So glückt zwar die Flucht nach Frankreich, doch das Leben dort ist auch nicht rosig. Materielle Not, wechselnde Jobs und die bedrückenden Verhältnisse in der Banlieue von Paris bedeuten neue Herausforderungen für Hibat und Fereshteh. Eine Spur zu harmonisch entwickelt sich der Film lediglich zum Ende hin, wenn er die Erfolgsgeschichten von Hibats und Fereshtehs sozialem Engagement im Gemeindezentrum und in einer Beratungsstelle für Frauen erzählt. Da mündet er noch am ehesten ins breite Delta des Wohlfühlkinos.

Bei so viel erzählerischem Schwung, mit dem »Nur wir drei gemeinsam« in knapp 100 Minuten von politischem Kampf, von Verfolgung und Flucht und der Verwandlung der Fremde in eine neue Heimat erzählt, kann vieles nur an der Oberfläche gestreift werden. Das schmälert den Charme des Films aber nicht, der von einer so simplen wie glaubwürdigen Prämisse getragen wird: dem Zusammenhalt dieser Familie in allen noch so widrigen Umständen. »Besser gemeinsam in der Hölle als allein im Paradies«, heißt es einmal, und für die Liebe seiner Figuren findet Kheiron immer wieder berührende Bilder: Wenn etwa Fereshteh nach der Flucht zum ersten Mal ihren alten Vater im Iran anruft. Ein Telefonat ohne Worte, in dem alles Wichtige seinen Weg über das Schweigen findet.

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