Kritik zu Nanny Diaries

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Die Upper East Side, erkundet von einer Anthropologiestudentin: Scarlett Johansson spielt eine junge Frau, der der Zufall einen Job als Kindermädchen in besseren Kreisen beschert

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Ein kleines Missverständnis bringt im neuen Film des Regie-Ehepaars Shari Springer Berman und Robert Pulcini die Handlung in Gang. Annie Braddock (Scarlett Johansson) hat im Central Park den kleinen Grayer (Nicholas Reese Art) davor bewahrt, von einem Fahrrad überfahren zu werden. Die herbeigeeilte Mutter, Mrs. X (Laura Linney), bietet ihr kurzerhand einen Job als Kindermädchen an – statt »Annie« hatte sie bei der Vorstellung »Nanny« verstanden. Jobbeschreibung und Eigennamen machen für sie etymologisch keinen Unterschied. Annie sagt zu, die Bezahlung ist gut, das Wohnen frei. Dabei hatte sie eigentlich Anthropologie studieren wollen. Doch Menschen lassen sich auch an der Upper East Side, dort, wo die Reichen wohnen, beobachten. So entpuppt sich Mrs. X, der anfänglichen Freundlichkeit zum Trotz, als selbstverliebte Tyrannin, die für Grayer keine Zeit findet und Annie mit Arbeit und strengen Regeln überhäuft. Mr. X (Paul Giamatti) hingegen ist ein unfreundlicher Workaholic, der seine Frau betrügt und Annie – zunächst – gar nicht zur Kenntnis nimmt.

Nanny Diaries beruht auf dem Bestseller, den Emma McLaughlin und Nicola Kraus 2002 veröffentlichten. Eigene Erfahrungen als Kindermädchen sollen darin eingeflossen sein, von Kritikern wurde ihre Außensicht auf eine entfremdete Gesellschaftsschicht gelobt. Die Verfilmung gefällt sich allerdings zu sehr in der Attitüde der frechen Satire, die den oberflächlichen, hohlen Lebensstil an der Upper East Side zu entlarven vorgibt. Doch die Absicht, die sozialen Widersprüche durch überspitzte Karikaturen und stereotype Charaktere zu verdeutlichen, geht viel zu oft in Klamauk und Banalität unter. Der kritische Kommentar, von Annie im Voice-over gesprochen, verliert sich in Allgemeinplätzen, die Parodie verpufft. Schlimmer noch: Nur selten vermag der Film Interesse für seine Figuren zu wecken. Ausgerechnet Mrs. X wirkt als Opfer, das auch ordentlich austeilen kann, noch am vielschichtigsten

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