Kritik zu Max Manus

© Capelight Pictures

Nach dem holländischen (»Black Book«) und dem dänischen (»Tage des Zorns«) nun ein Film über den norwegischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus

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Mit dem Generationswechsel wird auch in der Auseinandersetzung um den Zweiten Weltkrieg im Kino eine neue Runde eingeleitet. Mittlerweile sind die meisten Zeitzeugen gestorben, was zum einen das Bedürfnis generiert, noch einmal an den epochalen historischen Einschnitt zu erinnern, zum anderen die Möglichkeit eröffnet, einen neuen, möglicherweise pietät- und ideologiefreieren Blick auf die Geschehnisse zu werfen. Das gilt auch für die Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Tarantinos »Inglourious Basterds« ist vielleicht das verwegenste Beispiel für diese Neuaneignung der Historie. Aber auch im europäischen Kino gab es in den letzten Jahren Filme, die für eine neue Sicht auf den Widerstand plädierten. Paul Verhoevens »Black Book« verbandelte eine Résistance-Kämpferin mit dem örtlichen Gestapo-Chef und zeichnete ein keineswegs positives Bild des niederländischen Widerstandes. Der dänische Regisseur Ole Christian Madsen inszenierte in »Tage des Zorns« einen düsteren Film Noir und dekonstruierte den Mythos des moralisch integren Widerstandskämpfers, indem er zwei zunehmend psychopathische Racheengel auf Liquidationstour durch das besetzte Kopenhagen des Jahres 1944 schickte. Weitaus weniger radikal blättern nun Joachim Rønning und Espen Sandberg mit »Max Manus« die Geschichte des norwegischen Widerstandes auf.

Von den jungen Männern, die sich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Sommer 1940 auf einem Dach hoch über Oslo treffen, ist Max Manus der einzige mit Kampferfahrung. Im finnischen Winterkrieg hat er als norwegischer Freiwilliger gegen die Sowjetarmee gekämpft. Die Gruppe handelt anfangs noch mit jugendlichem Leichtsinn. Flugblätter werden am helllichten Tage verteilt und Sprengstoff unter dem eigenen Bett versteckt. Als die Polizei ihn festnehmen will, springt Max Manus aus dem Fenster und landet im Krankenhaus, aus dem er fliehen kann. In Schottland wird er für den Undercovereinsatz ausgebildet. In britischen Uniformen paddeln sich die Saboteure nachts an die deutschen Kriegsschiffe heran und sprengen sie mit Haftminen in die Luft. Aber mit dem Erfolg der »Oslo-Gruppe« nimmt auch die Repression unter der Leitung des Gestapo-Chefs (Ken Duken) erheblich zu. Die Reihen der Aktivisten lichten sich, und Manus kämpft nicht nur gegen die Nazi-Übermacht, sondern zunehmend auch gegen eigene Schuldvorwürfe, Depression und Alkoholismus.

Mit einem Budget von 7 Millionen Euro ist »Max Manus« die kostspieligste Produktion in der Geschichte des norwegischen Kinos. Über 1,2 Millionen Besucher adelten das Widerstandsdrama zum erfolgreichsten einheimischen Kinofilm. Auch wenn der Film keine kritische Auseinandersetzung über den Widerstand führt und die Kämpfer von jeglichen moralischen Widersprüchen fernhält, funktioniert er als persönliches Heldendrama recht effektiv. Der hervorragende Aksel Hennie verleiht der tragischen Figur eine emotionale Tiefe und Verletzlichkeit fernab aller Edler-Ritter-Klischees. Ein durchaus ansehnliches Historiendrama, das im filmischen Diskurs um den Zweiten Weltkrieg jedoch keine neuen Impulse setzt.

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