Kritik zu Love Is All You Need

© Prokino

Trine Dyrholm und Pierce Brosnan als vom Leben gebeutelte Erwachsene, die im schönen Italien trotz Gegensätze zueinanderfinden – eigentlich kann da nichts schiefgehen. Susanne Bier aber scheint sich schwer zu tun mit einer leichten Komödie

Bewertung: 2
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)

Wenn unmittelbar nachdem in der ersten Szene des Films das Stichwort »Italien« in einem Dialog gefallen ist, die Szenerie zu einer südländischen Landschaft wechselt und auf der Tonspur Dean Martin sein »That’s Amore« schmettert, dann fragt man sich als Kinogänger, ob in den nachfolgenden anderthalb´Stunden einmal mehr das Klischee von Italien als dem Land der Liebe verkauft werden soll oder aber ob wir es hier mit einer ironischen Verwendung desselben zu tun haben (oder zumindest mit sarkastischen Untertönen wie in Billy Wilders schönem Spätwerk Avanti, Avanti). Letzteres, sollte man annehmen, schließlich sitzen wir in einem Film der renommierten dänischen Regisseurin Susanne Bier, die uns in der Vergangenheit einige grimmige Familiendramen beschert hat.

Diesmal allerdings präsentiert sie eine Komödie, in der Drama und Komik nah beieinanderzuliegen scheinen. Die erste Szene nämlich ist ein Gespräch beim Arzt, in dem es um die Krebserkrankung der Patientin geht. Die ist dank Chemotherapie erst einmal besiegt, so könnte sich Ida (Trine Dyrholm) freuen,  zumal die Hochzeit ihrer Tochter (in Italien) bevorsteht. Doch dann kommt sie nach Hause und findet ihren Ehemann (Kim Bodnia) auf der Couch mit seiner Assistentin vor. Es ist ganz eindeutig, was die beiden da treiben, da mag Leif noch so tränenreich jammern, wie sehr er gelitten hätte unter Idas Krankheit.

Wie unsensibel dieser Mann ist, wird dem Zuschauer zwar schon hier klar, aber der Film belässt es nicht dabei. Nachdem Ida alleine nach Italien aufgebrochen ist, überkommt sie am Ort der Hochzeit berechtigte Empörung, als Leif dort ebenfalls auftaucht, und zwar mit der Geliebten – die auch noch in jeder Szene das Klischee der dummen Blondine bedient. Damit nicht genug der Pappkameraden: Aufseiten von Philip (Pierce Brosnan), dem Vater des Bräutigams, gibt es dessen Schwägerin Benedikte (Paprika Steen), die ihre Fürsorge für den Witwer ihrer Schwester vom ersten Moment an übertreibt und nicht von der Überzeugung abzubringen ist, dass sie beide füreinander bestimmt seien. Anders als bei Kim Bodnia (Leif) spürt man bei Paprika Steen so manches Mal die Verzweiflung hinter ihrer aufgekratzt-optimistischen Fassade, aber auch ihre Figur fungiert nur als gewollt-komische Folie, vor der das eigentliche Paar im Mittelpunkt sich besser absetzen kann. Das ist nicht etwa das völlig uninteressante junge Brautpaar, sondern dessen Eltern, eben »die kahle Friseuse« (so der dänische Originaltitel) Ida und der Geschäftsmann Philip, der immer noch um seine vor Jahren ums Leben gekommene Ehefrau trauert.

Das erste Mal treffen sie sich in einem Parkhaus, als Ida unachtsam seinen Wagen rammt – das ist in bester Komödientradition der Anfang einer Beziehung, die nur happy enden kann. Der Weg dahin ist mit den üblichen Kabbeleien und Missverständnissen gepflastert, aber die Inszenierung lässt – zumal im Musikeinsatz – keinen Zweifel. Dabei ist das Understatement, mit dem Brosnan seine Figur verkörpert, so ziemlich das einzige, was von diesem Film bleibt, dessen deutscher Titel in seiner Plattitüdenhaftigkeit diesem Werk völlig angemessen ist.

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