Kritik zu Looping

© Salzgeber

In ihrem Debüt führt Leonie Krippendorff die Lebenswege dreier Frauen in einer psychiatrischen Klinik am Meer zusammen

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Es ist eine Nacht mit bösem Erwachen. Leila (Jella Haase) ist 19, ihr Vater arbeitet auf dem Rummel. Wer sie sieht, merkt, dass sie nicht so recht weiß, wohin mit ihrem Leben. Sie könnte in Sarah verliebt sein, doch die empfängt in ihrem Wohnwagen lieber einen der Jungs vom Rummel, als mit Leila durch die Nacht zu ziehen. Die macht sich dann allein auf den Weg durch die nächtliche Stadt, vorbei an Kneipen und Sexshops, bis sie in einer Peepshow landet. Nichts für Frauen, bedeutet ihr die Tänzerin, als sich der Vorhang hinter der Scheibe langsam hebt. Sie lernt einen Lastwagenfahrer kennen, doch was mit viel Wodka ganz lustig begann, endet in einer brutalen Vergewaltigung.

Leila ist so etwas wie der Ankerpunkt in »Looping«, man hat das Gefühl, als beobachte man durch ihre großen Augen den Film. Autorin und Regisseurin Leonie Krippendorff billigt ihr in ihrem Debütfilm auch die längste (Vor-)Geschichte zu. Leila landet nach dem Krankenhaus, mehr oder weniger freiwillig, in einer psychiatrischen Klinik irgendwo am Meer. Zuerst teilt sie das Zimmer mit Ann (Marie-Lou Sellem), schon über 50, eine Frau, deren Existenz irgendwie ein Rätsel umgibt. Am Alltag einer solchen Klinik ist der Film genausowenig interessiert wie an klärenden Dialogen zur Krankheitsgeschichte. Wie überhaupt – und zum Glück – wenig geredet wird in »Looping«. Einmal nimmt Ann Leila mit nach draußen, sie türmen durch ein Kellerfenster, schwimmen in einem kleinen Bad.

Ins Zimmer der beiden wird noch Frenja (Lana Cooper) gelegt, Mitte 30, die, wie eine Rückblende enthüllt, unter Ess- und Brechattacken leidet. Frenja ist gebundener als die anderen beiden, lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter. Krippendorff integriert die Geschichten der drei Frauen ganz unterschiedlich, als Vorgeschichte und Rückblende, und Ann wird dann der Epilog gehören. Die Klinik ist so etwas wie ein Fluchtpunkt für die drei, weniger eine Stätte der Genesung denn ein Refugium, ein Ort für eine Art gelebte Utopie, ein Zwischenreich für Liebe und Zärtlichkeit. Die drei stellen ihre Betten nebeneinander, und immer wieder ruht der Blick der Kamera auf den Schlafenden. ­­Und dann hat man das Gefühl, dass sich, neben der ménage à trois auch so etwas wie eine Familie gefunden hat, wenn auch nur eine provisorische.

Die Welt der drei ist fragil, das betont Krippendorff immer wieder. Sie gehen am Strand spazieren, tanzen heimlich des Nachts in irgendwelchen Clubs. Doch einmal verschwindet Ann plötzlich, bis sie Stunden später aus dem Nebel des Strandes wieder auftaucht. »Looping« ist voll mit solchen diffusen Momenten, die Kamera (Jieun Yi) liebt das Halbdunkel und Uneindeutige und macht so, stärker als ein Dialog es könnte, diese Zeit des Verharrens, des Findens deutlich. Manches mag ungelenk wirken in diesem Debüt, etwa die Rückblenden in die Kindheit, aber die Beschwörung einer Atmosphäre aus Vertrautheit und Geheimnis gelingt ihm hervorragend.

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Psychiatrie, Tod, Vergewaltigung und Klischees - dieser Abschlussfilm der Filmuniversität Babelsberg will zu viel und wirkt dadurch wenig glaubwürdig,

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