Kritik zu Long Shot

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Die große Schlanke und der untersetzte Zausel: Charlize Theron und Seth Rogen geben in Jonathan Levines Komödie ein unwahrscheinliches, aber keineswegs unmögliches Traumpaar

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Fred Flarsky sieht eigentlich aus wie alle anderen bei diesem Meeting von »White Pride«, einer Organisation von US-Nazis. Allerdings hat er nicht kundgetan, dass er Jude ist und zudem als Journalist undercover. Vor keinem noch so heiklen Thema schreckt Fred zurück. Doch als ein Medien-Tycoon die Zeitung aufkauft, bei der er angestellt ist, kündigt er in einer pathetischen Anwandlung seinen Job. Nun ist er arbeitslos. Dass ihn sein alter Kumpel Lance zu einer Benefizveranstaltung mit der US-Außenministerin mitnimmt, sorgt zunächst für einen veritablen Hingucker: In seinen Cargohosen und dem grünblau-lila gemusterten Anorak ist Fred der mit Abstand am schlechtesten angezogene Mensch des Abends. Darüber hinaus gibt es ein Erkennen, als sich sein Blick und der von Außenministerin Charlotte Field begegnen: Einst wuchsen sie in derselben Straße auf; sie war sogar seine Babysitterin. Aus einer sentimentalen Anwandlung heraus engagiert sie ihn als Redenschreiber, denn ihrem Auftreten fehle es an Humor, so die Umfragewerte. Humor aber ist wichtig: Schließlich will Charlotte als US-Präsidentin kandidieren.

Dass Charlize Theron als Charlotte und Seth Rogen als Fred einmal das Traumpaar einer romantischen Komödie bilden könnten, mag absurd erscheinen. Doch es ist, wie der Untertitel von »Long Shot« sagt: »Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich«. Die schlanke, elegante Schönheit und der untersetzte, bärtige Zausel finden als moderne Version eines »odd couple« in einem der gelungensten Unterhaltungsfilme des laufenden Jahres zusammen.

Regisseur Jonathan Levine versteht es dabei, feine Spitzen in geschliffenen Dialogen mit einer gewissen, meist sexuell konnotierten Explizitheit zu verbinden, ohne in dumpfes Schenkelklopfertum zu verfallen. Der interessanteste Clou ist der Wechsel von Rollen und Geschlechterstereotypen (Drehbuch von Liz Hannah, Dan Sterling): Während Charlotte im traditionellen Verständnis »männlich« agiert (»Bin ich emotional, nennt man mich schwach!«) und sich auch beim Sex dominant verhält, weist Fred viele sogenannte weibliche Eigenschaften auf: Er ist sehr ängstlich und weiß sich gut zurückzunehmen. Dass diese RomCom keine Kino-Fließbandware ist, zeigt auch die erste Liebesszene der beiden während einer Welttour von Charlotte auf Umweltmission: Mit Körperkomik und Klimaxparodie wird die herkömmliche romantische Inszenierung am exotischen Ort konterkariert. Und als Charlottes Delegation von aufständischen Rebellen überfallen wird, schultert sie kurz entschlossen einen verletzten Mitarbeiter – auch dies eine Parodie auf die maskulinen Stereotypen des Actionkinos.

Das Stilgefälle zwischen Charlotte und Fred gibt noch viel Anlass zur Heiterkeit. Das Statusgefälle erweist sich indes als ernst zu nehmende Schwierigkeit: Alle möglichen Leute (der Film ist auch in den Nebenrollen brillant besetzt) versuchen diese Liebe zu sabotieren. Doch »Long Shot« führt seine Figuren nie vor und präsentiert ein herrlich utopisches Amerika, wo Männer neidlos in der zweiten Reihe stehen, Wähler rückhaltlose Ehrlichkeit schätzen und Frauen alles haben dürfen: eine tolle Karriere und Liebe.

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