Kritik zu Lockout

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Luc Besson präsentiert – wieder einmal einen harten Actionthriller. Schauplatz ist ein Hochsicherheitsgefängnis, 50 Meilen über der Erde, und Guy Pearce zeigt sein Talent zu handgreiflicher Action mit Selbstironie

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»Warning! Offensive«, steht auf seinem T-Shirt, und Guy Pearce als desillusionierter Held namens Snow wird dieser Aussage in jeder Hinsicht gerecht. 25 Kilo hat er sich für die Rolle antrainiert, und dieser »Hard Body« rennt, schießt und prügelt sich durch die Handlung wie über einen Abenteuerspielplatz, immer einen bissigen Oneliner auf den Lippen. Das Provozieren vergeht Snow nicht einmal, wenn, wie in der Eröffnungssequenz, sein Kopf bei einem Verhör durch Faustschläge immer wieder aus dem Bildausschnitt geprügelt wird. Ein Macho von ironischer Überlebensgröße, von Pearce massiv und doch leichtfüßig verkörpert. Man merkt: Das hat ihm Spaß gemacht.

Auch der Inszenierung dieses Gefängnisthrillers merkt man die Lust am Deklinieren von Stereotypen an. Die beiden Iren Stephen St. Leger und James Mather entwerfen eine Genrewelt voller Reminiszenzen. Insbesondere verweisen sie auf Actionfilme der 80er wie »Die Klapperschlange«, auf »Stirb langsam« und dessen Helden McLane, und selbstverständlich auf die Werke aus der Schmiede von Produzent und Koautor Luc Besson. Am Ende weht sogar ein sachter Hauch von »Star Wars« hinein, denn schließlich spielt »Lockout« überwiegend im Weltraum, 50 Kilometer über der Erde. Dort schwebt zwar kein Todesstern, aber das Hochsicherheitsgefängnis der Zukunft.

Diesem stattet die Tochter des US-Präsidenten einen Besuch ab. Sie will die innovativen Haftbedingungen auf der »MS One« prüfen, dem riesigen Raumschiff, in dem 500 hochgefährlichen Insassen im Zwangsdauerschlaf gehalten werden, euphemistisch »Stasis« genannt. Die humanitäre Mission läuft schief, als sich ein besonders fieser und völlig irrsinniger Verbrecher – Joseph Gilgun mit herrlichem Overacting – befreien kann und seine Mitgefangenen aufweckt, die die »MS One« unter ihre Kontrolle bringen. Die Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) wird zur Geisel. Da kommt der Undercoveragent Snow ins Spiel: Gerade wegen Verschwörung und Mordes verurteilt, erhält er das Angebot, seine 30 Jahre Haft gegen die Freiheit zu tauschen, wenn er Emilie als Ein-Mann-Spezialkommando befreit. Das nimmt er nur zu gerne an, denn auf der »MS One« ist auch ein Häftling, der seine Unschuld beweisen könnte.

So kommt es zu Versteckspielen und heftigen Kämpfen auf der Raumstation, in deren Verlauf die nette Emilie und der bärbeißige Snow sich ordentlich necken dürfen, während die Kollateralschäden zunehmen. Das ist über weite Strecken so knackig, knallig und sarkastisch inszeniert, dass einem so manches durchaus gleichgültig werden kann: etwa die zahlreichen Logiklöcher, die anfangs angerissene und dann scheinbar einfach vergessene Sozialkritik, die nicht immer überzeugenden Spezialeffekte, die wohl unter dem knapp kalkulierten Budget gelitten haben. Trotz gelegentlichauf schimmernder Metareflexionen ist »Lockout« vor allem ein sehr handfester Actionfilm, der mit all seinen Macken sympathisch bleibt – weil er wie sein Held sehr viel Selbstironie besitzt. Ohne diese wäre es da draußen im Weltall allerdings ganz schön finster.

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