Kritik zu LifeHack

© Studiocanal

Ein Heist-Thriller in Form eines Desktop-Films: Das Regiedebüt von Ronan Corrigan ist ein ungewöhnliches Experiment.

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Die Welt von Kyle (Georgie Farmer), Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz) ist das Internet. Stundenlang hängen sie von ihren Zimmern aus gemeinsam in Chatrooms herum, zocken Games und treiben Unfug. Zu diesem Unfug gehört es auch, im Netz Betrüger abzuziehen, Sicherheitslücken ausfindig zu machen und sich aus purer Neugier in streng geheime Systeme zu hacken. Irgendwann nehmen sie das Krypto-Imperium eines fiesen Tech-Milliardärs ins Visier und es gelingt ihnen tatsächlich, mit ein paar Klicks von zu Hause aus Millionen zu machen. Doch damit sind sie mittendrin im kriminellen Sumpf. Die Eskalation kommt, als ihnen die Tochter jenes Tech-Milliardärs auf die Schliche kommt und sie auffordert, einen gefährlichen Coup durchzuführen, für den es nicht mehr reicht, nur von zu Hause aus zu agieren.

Das Spielfilmdebüt des Iren Ronan Corrigan ist ein stilistisches Experiment: Rein dramaturgisch ist es ein Heist-Thriller, verpackt in der Form des Desktop-Films. Ursprünglich wurden Produktionen als Desktop-Film bezeichnet, bei denen sich der gesamte Film auf der Oberfläche eines Laptops oder Smartphones abspielt – ein Begründer des Genres war Timur Bekmambetov, der auch an der Produktion von »LifeHack« beteiligt ist. Corrigan hat dieses Genre etwas erweitert: Anstatt sich nur auf einen Bildschirm zu beschränken, kombiniert er die Desktopoberflächen der Protagonisten mit den Aufnahmen der Laptopkameras und nutzt zusätzliche Formen wie Social-Media-Clips, Nachrichtensendungen und Überwachungsvideos – quasi alles erdenkbare Videomaterial, das nicht wie eine klassische Spielfilmszene ausschaut. Der Wechsel der Formen erfolgt dabei in so schnellem Tempo, dass gerade Zuschauer:innen, die weniger digitalaffin sind, schnell überfordert sein könnten. Das Vorgehen der Jugendlichen dürfte ebenfalls nicht für alle nachvollziehbar sein und es ist fraglich, wie realistisch der Plot im Detail ist. Unabhängig davon wirft der Film aber spannende Fragen auf zu den Gefahren von Cyberkriminalität und dazu, welche Spuren ein Mensch im Netz hinterlässt.

Interessant ist zudem, wie das Spiel mit den Bildformaten, die mediale Reizüberflutung spiegelt, die für manche Menschen längst zum Alltag geworden ist. Was sich dabei auch herauskristallisiert, ist ein Gefühl für den Kontrollverlust, der entstehen kann, wenn sich das Leben nur noch im digitalen Raum abspielt. Das gibt dem Heist-Plot gerade gegen Ende eine ganz eigene Dramaturgie und Spannung, denn auch die Protagonist:innen verlieren irgendwann die Kontrolle über ihren Coup. Für jede Handlungsaktion eine passende mediale Darstellung zu finden, erweist sich jedoch hier und da als schwierig. Der Erzählrahmen bleibt bei dieser Form eben immer beschränkt. Eine ganz andere Frage ist zudem, ob die Kinoleinwand der richtige Ort für diese Art von Film ist oder ob er nicht genau dort am besten funktioniert, wo er sich auch medial verortet: am Desktopbildschirm.

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