Kritik zu Liebe Mauer

© Warner Bros. Pictures

Mit Peter Timms Komödie über eine junge Ost-West-Liebe im Berlin des November '89 soll über 20 Jahre Mauerfall endlich auch mal gelacht werden

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Fragt man nach Filmen, denen es gelungen ist, sich über den Ost-West-Konflikt lustig zu machen, kommt als erstes Billy Wilders »Eins, zwei, drei« aus dem Jahr 1961, dem Jahr des Mauerbaus in den Sinn. Wobei man nicht vergessen darf, dass es über 20 Jahre dauerte, bis der Film tatsächlich Zuschauer fand, die bereit waren, darüber zu lachen, dass ein übergelaufener KGB-Spion das »alte russische Sprichwort« zitiert: »Go west young man!«

Peter Timm, in Ostberlin geboren und in den siebziger Jahren in den Westen ausgereist, hat 1986 mit seinem Regiedebüt, dem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen »Meier«, erfolgreich und smart an das schwierige Genre Ost-West-Komödie angeschlossen. Mit »Go, Trabi, Go« landete er 1990 einen veritablen »Vereinigungshit«. Dass Timm nun das Thema zum 20. Jubiläum des Mauerfalls ein weiteres Mal aufgreift, erscheint vor diesem Hintergrund als gute Nachricht, ja fast als Versprechen: nach all dem feierlichen Gedenken nun endlich etwas zum Lachen!

Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall, dass »Liebe Mauer« in seiner Grundstruktur so einige Ähnlichkeiten zu »Eins, Zwei, Drei« aufweist: Eine junge Frau aus dem Westen verliebt sich in einen jungen Mann aus dem Osten, alsbald schalten sich die trotteligen Vertreter allerlei Geheimdienste ein, und zwischendurch muss sich Ossi als Wessi und umgekehrt ausgeben.

Anders als noch in »Eins, Zwei, Drei« aber gehen hier fast alle Witze aufs Konto der DDR und ihrer heute fast allzu leicht zu parodierenden Bizzarro-Regelungen wie dem Zwangsumtausch. Bei Wilder bekam dagegen auch der Westen tüchtig sein Fett ab (»Was? Der Senat weigert sich im Schöneberger Rathaus einen Coca-Cola-Automaten aufzustellen? Wer hat hier eigentlich den Krieg gewonnen? «). Wie man überhaupt in vielerlei Hinsicht das Gefühl hat, dass die Macher von »Liebe Mauer« es sich zu einfach gemacht haben. Etwa mit der Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Felicitas Woll, die als Neuberlinerin »Lolle« in der Fernsehserie »Berlin, Berlin« mit vorlautem Charme für Furore sorgte. Hier darf sie als Franzi davon lediglich eine einfallslose Reprise geben, was zum Frischegrad des Films naturgemäß nichts beitragen kann. Genauso wenig wie besagte Witze über die Stasi, tumbe Grenzbeamte und Versorgungsengpässe.

Vielleicht ist es ja die Zeitgenossenschaft, die das Amüsieren hier so schwer macht: Wer noch weiß, wie es war, weiß es besser. Aber natürlich will eine Komödie nicht an der Realität gemessen werden, schließlich hat die Stasi 1961 auch nicht den »Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini«-Song zur Folter eingesetzt.

Der Grund, weshalb »Liebe Mauer« nur teilweise komisch erscheint, könnte aber auch darin liegen, dass es jenseits der komödiantischen Zuspitzungen zu vieles gibt, was ganz genau der Wirklichkeit abgeschaut ist: die Westberliner Ahnungslosigkeit im November 1989 genauso wie die Schikanen an der Grenze und in Ostberliner Kneipen, in denen man als Gast nichts zu melden hatte. Wer weiß, vielleicht kann man darüber erst in 20 Jahren richtig lachen.

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