Kritik zu Legend of Tarzan

© Warner Bros.

Musste die filmische Wiederbelebung von Tarzan, Herr der Affen, wirklich sein? Trotz historischer Kontextualisierung und Versuchen politischer Korrektheit bleiben die Macher der Neuauflage eine Antwort schuldig

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Es dauert lange und bedarf einiger erzählerischer Erläuterungen, bis Lord Grey­stoke zu Tarzan wird und sich endlich mit nacktem Oberkörper von Liane zu Liane durch den mit CGI angereicherten Dschungel schwingt. Offenbar waren sich die Macher von »Legend of Tarzan« durchaus bewusst, dass ein weißer Retter in einem afrikanischen Land mit überwiegend schwarzer Bevölkerung, um es salopp zu sagen, inzwischen so seine Probleme mit sich bringt, weshalb sie im historischen Fundus gegraben und George Washington William als moralisches Gegengewicht zum belgischen Ausbeuterkönig Leopold gefunden haben. Nun bittet also William als Mann, der einst im amerikanischen Bürgerkrieg tatenlos beim Morden einer Bevölkerungsgruppe zuschaute und sich schwor, dies nie wieder zu tun, Lord Greystoke darum, ihm bei seinem Kampf gegen die Versklavung der kongolesischen Bevölkerung zu unterstützen. Immerhin wird er vom wunderbaren Samuel L. Jackson gespielt, Sprüche klopfend, modern und mit antikolonialistischer Haltung.

Dann muss aber auch noch ein wirklicher Bösewicht, der von König Leopold geschickte Leon Rom (Christoph Waltz), aufwendig eingeführt und außerdem Tarzans »origin story« in Rückblenden erzählt werden: von den Eltern, die es nach einem Schiffbruch in den Dschungel verschlägt, und ihrem Tod; von Baby Tarzan allein in der Wiege, das von Kala, der Affenmutter, gerettet wird. Puh, und das alles in den ersten 30 Minuten. Und dann ist da ja auch noch Jane (Margot Robbie). Ob sie als Lord und Lady Greystone hoch oben auf einem Baumast sitzend wie in einem Modemagazin drapiert sind, oder, in der Rückblende, Tarzan seine Jane beim ersten Treffen auf der Lichtung einer Dschungelkulisse abschnuppert. Ich Tarzan, du Jane. Das geht 2016 wirklich nicht mehr.

Ob Yates und die Drehbuchautoren sich deshalb auf Actionszene nach Actionszene verlegt haben? Auch das funktioniert nur begrenzt. Denn obwohl es in teilweise rasantem Tempo durch den Dschungel, die Steppe, durch Steinbrüche, von Ast zu Ast an Lianen entlang, über reißende Sturzbäche und Wasserfälle geht, will sich wahre Spannung nicht einstellen. Die Bilder wirken konstruiert und bleiben leblos. Auch Tarzans Kommunikation mit computergenerierten Tieren zeigt, bis auf ein Wiedersehen mit zwei Löwen, wenig Seele.

Noch ein Aspekt muss unbedingt erwähnt werden: Alexander Skarsgards durchgestählter Körper, der, nach gut einer Stunde Filmzeit, dann in immer wechselnden Positionen, nicht ungleich einer Bodybuilderkür, präsentiert wird. Im Sprung, im Stand, immer wieder anders ausgeleuchtet. Der Schauspielerkörper wird zum Produkt, das in jede gewünschte Form gebracht werden kann. Sechs Monate qualvollen Trainings und rigoroser Diät soll Skarsgard hinter sich gebracht haben, ehe er endlich die vom Regisseur gewünschte »Vertikalität« erreicht hatte. Dabei könnte man auch diesen Körper für ein CGI halten. Dann wäre selbst diese Mühe umsonst gewesen. Das Ringen um politische Korrektheit war es sowieso.

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