Kritik zu Lampenfieber

© NFP

2019
Original-Titel: 
Lampenfieber
Filmstart in Deutschland: 
14.03.2019
V: 
L: 
92 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Talent und Ambition: Alice Agneskirchner dokumentiert den Casting- und Trainingsprozess für das »junge Ensemble« des Berliner Friedrichstadt-Palasts

Bewertung: 3
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Die Revuen auf der großen Bühne des Berliner Friedrichsstadt-Palasts locken mit ihrem Prunk Touristen aus der ganzen Welt. Seit vielen Jahren gibt es im Haus auch ein sogenanntes Junges Ensemble, für das jährlich aus Hunderten von Bewerbern dreißig neue Mitglieder gecastet werden. Die Umstände dieses Castings mit gönnerhafter Attitüde des Lehrpersonals und Anbiederungsgesten der jungen Kandidaten zu Beginn des Films wirken fast wie eine Karikatur des Formats – und dienen Regisseurin Alice Agneskirchner als pointierter Ausgangspunkt für einen Dokumentarfilm, der einige dieser Kinder und Jugendlichen mitsamt dem Rest der Truppe bei den Vorbereitungen für die Show »Spiel mit der Zeit« begleitet.

Dabei sind die Besten nicht unbedingt auch die sympathischsten Kandidaten. Denn um das harte Training zu überstehen, braucht es neben Talent und Können auch Arroganz. »Wo siehst du dich in zwei Jahren, in der ersten oder in der dritten Reihe?« wird die kleine Maya von Kompanie-Chefin Christina Tarenkin bei einem Gespräch gefragt. Und bekommt für ihre im Kindesalter einzig vernünftige Antwort (»Keine Ahnung!«) gleich einen Rüffel. Manchmal scheint auch hier elterlicher Ehrgeiz hinter den kindlichen Bühnenambitionen zu stehen. Doch es gibt auch echte Rampensäue wie Oscar, der neben Schule und Ballettunterricht einen Kosmetik-Blog auf YouTube betreibt, für den er sich in seinem Kinderzimmer stundenlang zurechtschminkt.

Agneskirchers Film folgt – samt aufmunternder Musikbegleitung – dem Probengeschehen in klassischer Aufführungs-Doku-Manier mit kleinen diskreten Ausflügen ins Privatleben einzelner Tänzer und in die Geschichte des Hauses. Etwas irritierend sind die Berlinansichten, die weder topographisch noch inhaltlich mit dem Sujet verbunden scheinen. Vielleicht sollen sie ja die angepeilte jugendliche Zielgruppe des Films touristisch affizieren. Die Wirkung auf Erwachsene dürfte neben Bewunderung für die Talente auch von der Haltung zum nicht un-kitschigen Bühnengeschehen abhängen.

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