Kritik zu Königin der Wüste

© Prokino

2015
Original-Titel: 
Queen of the Desert
Filmstart in Deutschland: 
03.09.2015
Sch: 
L: 
128 Min
FSK: 
Ohne Angabe

In seiner Version eines Hollywoodwüstenepos widmet Werner Herzog nach sechs Jahren Spielfilmpause einen Film erstmals einer Frau als zentraler Figur: Nicole Kidman spielt die englische Orientkennerin und Abenteurerin Gertrude Bell

Bewertung: 2
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 2)

Seit seinem Remake von Abel Ferraras Copthriller »Bad Lieutenant« hat Werner Herzog die Welt dokumentarisch erforscht, unter anderem in seiner Serie über zum Tode verurteilte Gefangene in amerikanischen Gefängnissen und in »Die Höhle der vergessenen Träume« über die Jahrtausende alten Malereien in der südfranzösischen Chauvet-Höhle. Auf der Berlinale stellte er nach sechs Jahren Spielfilmpause sein neuestes Werk vor, mit dem er sozusagen auf David Leans Spuren wandelt. Tatsächlich taucht Lawrence von Arabien in Robert Pattinsons Camp-Version am Rande der Geschichte über die britische Abenteurerin Gertrude Bell (Nicole Kidman) auf, die durch ihr besonderes Verständnis von der Kultur und den Stämmen der Beduinen im Umfeld des ersten Weltkrieges als Vermittlerin und Beraterin von Churchill zur Neustrukturierung der arabischen Welt beitrug.

Dabei ist durchaus nachvollziehbar, warum sich Herzog für Gertrude Bell interessiert, auch wenn es zunächst überrascht, dass er sich hier erstmals auf eine Frau als zentrale Heldin einlässt. Als Abenteurerin, die sich aus dem engen Korsett der britischen Gesellschaft befreit und allein in die unerforschte Weite der Beduinenkultur vordringt, reiht sie sich in die Riege der sperrig eigenwilligen, zähen Herzog-Loner ein, zu denen neben den Kinski-Helden Aguirre und Fitzcarraldo auch Christian Bales Dieter Dengler in »Rescue Dawn« gehört. Wenn Nicole Kidman mit Alabasterteint und blonden Haaren hoch aufgerichtet auf dem Kamel durch die endlose Weite der Sanddünen wippt, dann ist das ein majestätischer Anblick, hinter dem sich jedoch bald eine innere Leere offenbart. Dass Sonne und Staub auf ihrem makellosen Teint kaum Spuren hinterlassen, macht sie zur klassischen englischen Kolonialheroine in einem Hollywoodepos. Aber die alles verzehrende große Liebe zu dem Diplomaten Henry Cadogan (sehr steif gespielt von James Franco) bleibt ebenso Behauptung wie ihre brennende Leidenschaft für die Wüste und ihre Bewohner.

Statt Bilder für diese Gefühle zu finden, überfrachtet Herzog sein Wüstenepos mit einem Teppich aus pseudospirituellen Offerzählungen, hölzernen Dialogen und Klaus Badelts sinfonisch anschwellender Musik, der die in Marokko und Jordanien gedrehten grandiosen Landschaften mit Sanddünen, Salzwüsten und Bergplateaus auf Reiseprospektformat reduziert. Herzogs Faible für zäh entschlossene, ebenso verwegene wie fahrlässige Helden kann er nicht glaubhaft als weibliche Version vermitteln. So ist Kidmans Gertrude Bell eine unnahbare englische Rose, deren Leidenschaften unverständlich und fremd bleiben, während sich ihre Abenteuer in der arabischen Welt in episodischer Folge aneinanderreihen. In ihren Konfrontationen mit türkischen Militärs, nomadischen Kriegern und kultivierten Scheichs wirkt diese blonde, schöne, stolze, weiße Frau eher blauäugig und verantwortungslos als mutig und bahnbrechend.

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