Kritik zu Jupiter Ascending

© Warner Bros.

Die Wachowskis gehen mal wieder in die Vollen: Ihre Space Opera über eine junge Frau und ihre galaktische Identitätsfindung ist ein wilder Motivmix mit bombastischen Bildern und Michael-Ende-Touch

Bewertung: 2
Leserbewertung
2.666665
2.7 (Stimmen: 3)

Die große Geste, der visuelle Exzess prägten bereits Cloud Atlas, auch an die Grenzen des guten Geschmacks stießen Lana und Andy Wachowski da gemeinsam mit Tom Tykwer vor. Mit Jupiter Ascending sind sie nun noch einen Schritt weiter gegangen ins Reich des filmischen Überflusses. Es ist ein Spektakel, das in seinen besten Momenten so selbstvergessen wirkt, als tobten sich Kinder am gigantischen Hollywood-Zauberkasten aus, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Angst vor blankem Trash. Aber eben nur in den besten Momenten. Denn die Wachowskis wollen trotzdem eine Geschichte erzählen, und die ist wesentlich weniger interessant als jene von Cloud Atlas.

Mila Kunis spielt Jupiter Jones, die auf dem Weg ihrer Mutter nach Amerika an Bord eines Schiffes geboren wurde, mitten auf dem Atlantik, unter dem prachtvollen Sternenhimmel, den schon ihr verstorbener Vater bewunderte. Jupiter hat diese Faszination von ihm geerbt, doch sie macht nichts daraus. Nicht ahnend, dass sie für Höheres bestimmt ist, schlägt sie sich später gemeinsam mit ihrer Mutter in Chicago als Putzfrau durch. Bis irgendwann der Weckruf aus den Weiten des Kosmos die unzufriedene junge Frau erreicht, in Gestalt von Caine, einer Züchtung aus Wolfs- und Menschen-DNS: Channing Tatum mit Spock-Ohren. Und das ziemlich bizarre Abenteuer beginnt.

Wie Jupiter aus ihrem tristen Erdendasein in eine intergalaktische Quest geschleudert wird, sich angesichts ihrer Erlebnisse und der Erkenntnis ihrer wahren Identität als kosmisch-königliche Hoheit immer wieder fragen muss, ob sie träumt, wie sie illustre Freunde wie Feinde kennenlernt, das birgt durchaus seinen Reiz. Vor allem in der Kollision von relativ realistisch gezeichnetem Erdenleben mit dem Bombast außerirdischer Welten zündet die filmische Überwältigungsstrategie.

Die visuellen Effekte, deren Aufwand für die kurzfristige Kinostart-Verschiebung um ein halbes Jahr verantwortlich sein soll, und das Szenenbild sind so gigantomanisch wie detailverliebt; Alexander Berners Montage der Actionsequenzen ist stellenweise brillant, besonders etwa in einer Raumschiff-Verfolgungsjagd durch die Häuserschluchten Chicagos, und die Kamera von Oscar-Preisträger John Toll findet Bilder von eindrucksvoller Leuchtkraft und einer Buntheit, die keine Angst vor Kitsch hat. Schon bis zur Halskrause im Camp waten Kostüm- und Maskenbild: So gemahnen einige Außerirdischen-Outfits an Science-Fiction-Peinlichkeiten wie Battlefield Earth oder Musicals à la "Starlight Express". Auch einige technische Gimmicks wirken wie Relikte aus naiveren Zeiten des Genres, beispielsweise jene Schuhe, auf denen Jupiters Love Interest Caine durch die Lüfte surft, mittels Schwerkraft-Umkehr oder so ähnlich.

Herrlicher Humbug blüht allerorten, meist mit Verweisen auf die Macht der Genetik. So entdeckt Jupiter ihre Fähigkeiten als Bienenschwarm-Dirigentin, denn "Bienen sind genetisch programmiert, königliche Wesen zu erkennen", wie Sean Bean unter Aufbietung all seiner Würde erklärt. Die böse Kosmologie, die der Film entwirft, für die er sich aber wenig interessiert, dreht sich ebenfalls um Genetik und Züchtung: Die Erde ist hier nur kleiner Teil eines intergalaktischen kapitalistisch-konsumistischen Systems, das auf zahlreichen Planeten Lebensformen züchtet und irgendwann "erntet" – Gegenstand der Intrigen, in die Jupiter verwickelt wird. So muss sie sich mit sinistren Space-Dynasten (Eddie Redmayne und Douglas Booth) herumschlagen.

Besonders im Mittelteil und der Schilderung jener Machtspiele fehlt Jupiter Ascending die erzählerische Spannkraft, sodass all die Überladenheit den Betrachter nurmehr ermüdet. Schier unüberschaubar ist die Menge der Zutaten für zweieinhalb Stunden Mythenmix: etwas Flash Gordon, etwas Star Wars, etwas Matrix, etwas Superheldentum, "Alien Abduction"-Motivik hier und Steampunk dort. Beatmet wird dieses ikonographische Kuddelmuddel mit jugendlich-naivem Charme à la Michael Ende.

Mehr vom schalkhaften Humor, der ab und an aufblitzt und in dem das Spektakel sich über seine eigene Maßlosigkeit lustig zu machen scheint, hätte dem Film gut getan. Für die ganz große Trash-Oper versucht er zu ernst zu sein, für den völlig befreiten Bilder-Exzess fehlt Anarchie. Doch es bleiben ein paar Momente von bizarrem Charme, etwa ein ziemlich harter Schnitt zu Beginn: von der noch erdgebundenen Jupiter, die gerade putzend über einer Kloschüssel hängt, zur kosmischen Pracht des Planeten, dessen Namen sie trägt. Ein Bildsprung, in dem schon fast etwas Erhabenes aufscheint.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns