Kritik zu Jason Bourne

© Universal Pictures

Sie sind zurück, aber vielleicht noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen: Matt Damon in der Titelrolle und Paul Greengrass als Regisseur haben erneut das Ruder des Geheimagenten-Franchise übernommen, das im Kino die Welt nach den Anschlägen vom 11. September auf den Punkt brachte

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Vierzehn Jahre ist es her, dass »Die Bourne Identität« ins Kino kam, und tatsächlich war die Welt noch eine andere. Damals, im Jahr nach den Anschlägen vom 11. September, brauchte es neue Helden – und das Publikum fand sie im Fernsehen mit Jack Bauer (»24«) und im Kino eben mit Jason Bourne und mit Geschichten, in denen die neue Dimension des weltweiten Terrors ebenso präsent war wie die Macht und die Korruption der Geheimdienste, globale Überwachung und Folter als Verhandlungsmethode mit eingeschlossen.

Neun Jahre nachdem sie sich mit dem dritten Teil »Das Bourne Ultimatum« in den vorläufigen Ruhestand verabschiedet hatten (und in denen sich Tony Gilroy und Jeremy Renner mäßig überzeugend an dem Ableger »Das Bourne Vermächtnis« versuchten), kehren Damon und Regisseur Paul Greengrass nun zum Franchise zurück. Daran, dass der titelgebende Exgeheimagent inzwischen in unserer heutigen Gegenwart angekommen ist, lässt der Film gleich in den ersten Bildern keinen Zweifel: Bourne hält sich – wie unter schweigsam-traumatisierten Einzelkämpfern im Kino üblich – mit illegalen Boxkämpfen über Wasser. Und das ausgerechnet zwischen Flüchtenden und anderen Außenseitern an Griechenlands Grenze zu Mazedonien.

So könnte es wohl bleiben, wäre nicht seine ehemalige Mitstreiterin Nicky Parsons (Julia Stiles) auf der Suche nach der Wahrheit beim Hacken geheimer CIA-Dokumente auf neue Informationen über Bournes Vergangenheit und seinen Vater gestoßen. Dass Bourne unter diesen Umständen für ein Treffen aus seinem Versteck kommen dürfte, entgeht natürlich auch der ehrgeizigen CIA-Ermittlerin Heather Lee (Alicia Vikander, in der interessantesten Rolle des Films) und ihrem Vorgesetzten Dewey (Tommy Lee Jones) nicht, weswegen umgehend ein Profikiller (Vincent Cassel) nach Athen beordert wird. Doch Bourne bleibt schwer zu fassen, und bald zeigt sich, dass seine Verfolger unterschiedliche Ziele verfolgen. Während Lee darauf setzt, Bourne für den Dienst zurückzugewinnen, will Dewey ihn – nicht zuletzt angesichts neuer Geheimprogramme – aus dem Weg räumen. Für Bourne selbst geht es nicht nur ums Überleben, sondern einmal mehr um die Puzzlestücke seiner wahren Identität.

Beinahe zu eifrig bemüht sich Regisseur Paul Greengrass, der mit großem Erfolg beim zweiten Teil zum Franchise gestoßen war und für Damon Bedingung für eine Rückkehr war, »Jason Bourne« in der heutigen Realität zu verankern. In Anspielung auf die großen Enthüllungen von Assange oder Snowden, gibt es Whitsleblower-Referenzen und einen Abstecher nach Reykjavík. Und weil kein Verschwörungsthriller heutzutage ohne die Themen Privatsphäre und Datenschutz auskommt, bleibt auch ein Subplot um einen erfolgreichen Digital-Guru (Riz Ahmed) nicht aus, an dem die CIA ein ganz eigenes Interesse hat.

Eine wirklich packende Geschichte ergibt sich aus all diesen Koordinaten leider nur bedingt. Wo die früheren Filme ihre Spannung aus dem Katz-und-Maus-Spiel gewannen, aus Intrigen und Verschwörungen innerhalb des Geheimdienstes und Bournes Unwissenheit über die Vergangenheit, kommen diese Elemente in »Jason Bourne« nun deutlich zu kurz. Stattdessen jagt der Titelheld abwechselnd durch Athen, Berlin (wo der Kollwitzplatz plötzlich in Kreuzberg liegt), London und schließlich Las Vegas, immer mit gesenktem Kopf, aber selten einem raffinierten Plan folgend.

Das ist nicht langweilig, doch für die durch die lange Pause geschürten Erwartungen letztlich zu wenig. Selbst die unruhig wackelnde Handkamera – Greengrass' Markenzeichen, mit dem er das Actionkino seither prägte – täuscht dieses Mal mehr Tempo vor als der Plot tatsächlich einlösen kann. So ganz angekommen in der Welt von heute ist dieser Held einer vergangenen Ära allen Bemühungen zum Trotz vielleicht doch noch nicht.

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