Kritik zu Good Luck, Have Fun, Don't Die
Ein Zukunftsreisender rekrutiert in einem Diner Freiwillige, die ihm helfen sollen, die Menschheit vor der Versklavung durch Künstliche Intelligenz zu retten.
Er sei ein Mann aus der Zukunft, verkündet der Fremde, der eines Abends ein Diner in Los Angeles betritt. Mit seinem Aussehen eines Penners erhält er nicht die erwartete Aufmerksamkeit. Erst als er über die Tische sprintet und seinen Regenmantel öffnet, um zu enthüllen, dass lauter Sprengsätze an seinem Körper angebracht sind, hört man ihm zu.
Er habe eine Mission, nichts weniger, als die Welt zu retten, und dafür benötige er Freiwillige. Seine überbordende Energie bekommt nachdenkliche Züge, wenn er zugibt, dass dies mittlerweile sein 117. Versuch ist. Er kennt also die Anwesenden bereits, den einzigen Freiwilligen, der sich meldet, weist er mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück – er verfüge dafür nicht über die nötige Konstitution. Am Ende hat der namenlos Bleibende einen Trupp von sieben Menschen rekrutiert, von denen er hofft, dass sie die richtige Kombination ergeben, um die Mission dieses Mal zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.
Um aus diesem zottelbärtigen Weltuntergangspropheten eine Identifikationsfigur zu machen, bedarf es einiger Anstrengungen. Sam Rockwell gelingt das, indem er die manische Energie, die viele seiner besten Darstellungen auszeichnet, immer wieder erdet; seine Rolle zeigt Eingeständnisse eigenen Versagens in der Vergangenheit, aber den tief sitzenden Willen, es diesmal zu schaffen. Regisseur Gore Verbinski ist dafür ein idealer partner in crime, dem in den ersten drei »Fluch der Karibik«-Filmen mit Johnny Depp ein ähnliches Energiebündel zur Verfügung stand – Verbinskis Protagonist im Oscar-preisgekrönten Animationsfilm »Rango« lässt sich in gewisser Weise ebenfalls hier einordnen.
Woher der Weltuntergang droht, macht der Fremde schnell deutlich: von einer KI, die die Menschen, die für sie bereitwillig ihre Autonomie aufgeben, am Ende versklaven wird. Das lässt auch einige der Rekrutierten, die anfangs so gar nicht wie eine Eliteeinheit wirken, in einem anderen Licht erscheinen. Allesamt haben sie dramatische Erfahrungen mit vermeintlich fortschrittlichen Technologien gemacht, wie wir in eingeschobenen Rückblenden erfahren: So hat Ingrid, bei der jegliche Technik Nasenbluten auslöst, ihren Partner an eine VR-Brille verloren, die ihn in eine Fantasiewelt entführte, und das Lehrerpaar Mark und Janet hat den Zorn seiner Schüler auf sich gezogen, als es kritisierte, dass diese im Unterricht permanent auf ihre Smartphones starrten, woraufhin die beiden von ihren zu willenlosen Zombies mutierten Schülern attackiert wurden. Und Susan hat ihren Sohn bei einem Amoklauf an dessen Schule verloren und sich danach, wie alle anderen Mütter, mit dessen Klon zufriedengegeben. Durch diese Hintergrundgeschichten lassen sich Bezüge zu ganz real diskutierten Zukunftsvisionen knüpfen. Die Mission selbst gerät immer wieder schräg-absurd, etwa mit einem kurz vor Ende auftauchenden Monster, einer höchst eigenwilligen Kombination verschiedenster Tierarten.
»Fun« bietet dieser Film also definitiv; er funktioniert aber gleichzeitig auch als ein massentauglicher Weckruf, der nicht zur Zerstörung von KI aufruft, sondern zu einem kontrollierten Umgang damit.




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