Kritik zu Gods of Egypt

© Concorde

2016
Original-Titel: 
Gods of Egypt
Filmstart in Deutschland: 
21.04.2016
Musik: 
L: 
127 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Mein Obelisk ist größer: Mit altägyptischen Gottheiten, die wie Superhelden scherzen und kämpfen, leitet Alex Proyas eine Art Abwertung des Genres ein

Bewertung: 2
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Mit den düster-stylischen Großstadtmärchen »The Crow« und »Dark City« erreichte Alex Proyas in den 90ern Kultstatus und galt als Vordenker der »Matrix«-Trilogie. Auch in seinem neuen Film beweist er sein Gespür für Visualität und sein leichtes Händchen bei Übergängen zwischen Dies- und Jenseits. Doch anders als in seinen Gothic-Epen hat er diesmal tief in die Mottenkiste gegriffen, alt­ägyptische Gottheiten gefunden und sie, vor opulent-nostalgischer Sandalenfilmkulisse, einer modernen Superheldenbehandlung unterzogen. Eigentlich könnte dieser eklektizistische Mummenschanz in einer Zeit, in der bestrumpfte Comichelden zu Charakteren von Shakespeare'scher Größe und gesellschaftlicher Relevanz aufgeblasen werden, das längst fällige Downgrading des Fantasy-Genres einläuten. So besetzt Proyas mit Roger-Corman-hafter Unbekümmertheit Ra, Horus, Set etc. mit blass-blauäugigen Nordmännern. Von Trickfilmpionier Ray Harryhausen abgeschaut ist die Idee, die als weltliche Herrscher auftretenden Götter doppelt so groß wie ihre menschlichen Untertanen zu zeigen. Die 140-Millionen-Dollar-Effekte, etwa Sonnengott Ra in seiner Barke im Weltall und Thoth, der eitle Gott der Wissenschaft, der mit seinen Klonen kommuniziert, sind echte Hingucker.

Doch zwischen B-Movie-Trash, Ironie und tieferer Bedeutung findet Proyas keine stimmige Tonart: Man erkennt nicht, was absichtlich oder unfreiwillig komisch ist. Als roter Faden dient ein Dieb, der seine Frau aus dem Totenreich zurückholen will, doch das Menschenpaar bleibt fade. Die Götter dagegen machen, was sie wollen; Gerard Butler veranstaltet als machthungriger Set einen Krawall wie zuletzt in »300«, Nikolaj Coster-Waldau ist als Horus eine nettere Variante seines »Game of Thrones«-Wüstlings, und Ra Geoffrey Rush, der einen Weltraumwurm im Zaum halten muss, wirkt stets so, als müsse er gleich losprusten. In seiner ADHS-haften Chaotik ermüdet dieser göttliche Kindergarten mehr, als dass er unterhält.

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