Kritik zu Gambit – Der Masterplan

© Concorde

2012
Original-Titel: 
Gambit
Filmstart in Deutschland: 
20.06.2013
Musik: 
L: 
89 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ein Gaunertrio aus Kurator, Kunstfälscher und schöner Frau versucht, einengroßen Coup zu landen. Wer sich noch an Das Mädchen aus der Cherry-Bar mit Michael Caine, Shirley MacLaine und Herbert Lom erinnert, weiß, wo’s langgeht

Bewertung: 2
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Es gehört zum besonderen Charme des Remakes, dass es selten an den Vorgänger heranreicht. Auch das Unternehmen Gambit, dessen Vorläufer 1966 unter der Regie von Ronald Neame gedreht wurde, stand – mit fünfzehn Jahren Vorlaufzeit – unter keinem guten Stern. Der nach Pink Panther-Manier animierte Vorspann gibt sich indes alle Mühe, an die gute alte Zeit der britischen Gaunerkomödie anzuknüpfen. Der Einstieg des Films verlässt sich dann allerdings ganz auf die Vorgaben des Vorgängers. Als Erstes wird der Racheplan des gedemütigten Kunstkurators Harry Deane (Colin Firth) vorgestellt, der seinem arroganten Arbeitgeber, dem Medienmogul und Kunstsammler Shahbandar (Alan Rickman), endlich eins auswischen will. Unter Mithilfe eines Kunstfälschers (Tom Courtenay) und eines Lockvogels aus Texas (Cameron Diaz) will er ihm für zwölf Millionen Pfund das lange verschollene Monet-Bild »Heuschober in der Abenddämmerung« andrehen, sozusagen als Zwilling zum »Heuschober in der Morgendämmerung«, der sich bereits in Shahbandars Besitz befindet. Wie auf Knopfdruck zeigt der Film die reibungslose Durchführung des Coups – eine Vision und Wunschvorstellung, wie sich kurz darauf herausstellt. Denn es kommt ganz anders.

Deane und Kompagnon werden in dem sexy Cowgirl PJ Puznowski zwar die ideale Mitverschwörerin finden, die nicht auf den Mund gefallen ist; aber schon bei der ersten Begegnung holt sich Deane ein blaues Auge, was sich als Running Gag des Films entpuppen soll. Auch das designierte Opfer, der großspurige Shahbandar, wird Zweifel anmelden und statt Hauskurator Deane einen anderen Gutachter, den Deutschen Martin Zaidenweber (Stanley Tucci in einer Glanzrolle), hinzuziehen. Es trifft sich gut, dass die Kunstszene weiterhin ihre Blüten treibt und ein Fälscher wie Wolfgang Beltracchi die passenden Schlagzeilen liefert, aber es geht ja nicht um Wahrheitsfindung, sondern um die komische Schräglage einer zwischen Screwball und Slapstick lavierenden schwarzen Komödie, deren Stärken allenfalls im hintersinnigen Dialog zu finden sind, die hingegen große Schwächen im Timing und in der Besetzung aufweist. So macht der im Klettern wenig versierte Colin Firth zwar gute Miene zur endlosen Fassadenkletterei, hadert unter versuchtem Deadpan und tiefgekühlter Komik jedoch mit einer schlecht sitzenden Rolle, die eher einem Michael Caine oder Peter Sellers auf den Leib geschneidert scheint. Am ungeniertesten bewegt sich Paradiesvogel Cameron Diaz durch die ungewohnte Londoner Medienschickeria. Sie harmoniert mit dem großkotzigen Alan Rickman einigermaßen, Partner Firth aber lässt sie lieber im Regen stehen. Die unsäglichen Japanerparodien, die heutzutage in die Mottenkiste gehören, runden eine Story und eine Dramaturgie ab, die nur selten die Gesichtsmuskeln zum Lachen animiert und den unterforderten Zuschauer ratlos aus dem Kino entlässt.

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