Kritik zu Eine Insel namens Udo

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Udo ist da, aber keiner sieht ihn: Der Neuköllner TV-Comedian Kurt Krömer spielt in seiner ersten Leinwandrolle einen Mann, der unter »Schwersichtbarkeit« leidet, aber wie das so ist im Leben und im Film – die Liebe ändert alles

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»Du verhältst dich total komisch. Du bist unsichtbar. Du brennst. Warum bist du überhaupt mitgekommen?«, fragt Jasmin (Fritzi Haberlandt) ihren neuen Freund Udo (Kurt Krömer), der sie zum ersten Mal auf eine Party begleitet hat. Udo hat ein Problem: Er ist da, aber keiner sieht ihn. Durch belebte Straßen bewegt sich der Unsichtbare im tänzelnden Slalomschritt, um von den Passanten nicht angerempelt zu werden. Das Phänomen der »Schwersichtbarkeit« lässt sich, wie Markus Sehrs »Eine Insel namens Udo« glaubhaft versichert, zurück bis ins China der frühen 30er Jahre verfolgen – und ist eine wirklich hübsche Grundidee für ein Komödie. Durch den unsichtbaren Helden, der zunächst nur für den Zuschauer im Kino zu sehen ist, wird von Anfang an ein geheimer Pakt zwischen Film und Publikum geschlossen. Und wer kennt nicht das nagende Gefühl des Übersehenwerdens, das hier ins Skurrile überhöht wird?

Detailreich lotet Sehr erst einmal im Slapstickmodus die komödiantischen Möglichkeiten seiner Prämisse aus, bevor er auf eine Liebesgeschichte zusteuert, in deren Verlauf der Schwersichtbare nicht nur von Jasmin erkannt wird, sondern »danach« auch für alle anderen sichtbar wird. »Eine Insel namens Udo« ist sicherlich alles andere als eine perfekte Komödie, aber der Film entwickelt aus seiner originellen Ausgangsidee immer wieder humorvolle Momente, die angenehm ungelenk zwischen Poesie und Klamauk oszillieren.

Wenn TV-Comedians ins Kino wechseln, entfalten sie im großen Leinwandformat oft eine enorm enervierende Wirkung. Bei Krömer ist das anders. Mit minimalistischer Mimik spielt er seinen schusseligen Helden und serviert die Pointen mit einem guten Gespür für Understatement. Dass der Komödie zwischenzeitlich immer wieder die Luft ausgeht, liegt am Drehbuch von Clemente Fernandez-Gil, das sich zu sehr an die Formatvorlagen des Genres klammert. Aber Sehrs liebevoller und detailreicher Inszenierungsstil macht hier einiges wett.

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