Kritik zu Eat Sleep Die – Essen Schlafen Sterben

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Die Schwedin Gabriele Pichler erzählt in ihrem Debütfilm von einer jungen Fabrikarbeiterin mit Migrationshintergrund, die sich nach einer Entlassung nicht unterkriegen lassen will

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RaŠa arbeitet in der Fabrik. Die junge Frau ist Expertin darin, Salatblätter zu zerkleinern und als handliche Portionen in Plastikfolie abzupacken. Sie könne 12 Beutel in 4,5 Sekunden abpacken, antwortet sie, als sie nach ihren besonderen Fähigkeiten gefragt wird. Da hat sie ihre Arbeit, die sie seit ihrem 16. Lebensjahr machte, aber bereits verloren.

Wer aufgrund des zugleich einprägsamen wie herausfordernden Titels einen minimalistisch-provokanten Film erwartet, wird enttäuscht sein von dem Debütfilm der Schwedin Gabriela Pichler, der sich eher einer ungeküns­telt-realistischen Erzählweise befleißigt. Die Kamera ist ziemlich nah dran an der Protagonistin (bis hin zur gelegentlichen Verweigerung, den Raum um sie herum zu zeigen) und stets in Bewegung, selbst wenn in den Bildern, was selten vorkommt, einmal Ruhe eintritt. Das kann man als Übersetzung jener Energie ansehen, die RaŠa auszeichnet, trotzdem ist es für den Zuschauer manchmal anstrengend.

Zu Beginn geht alles seinen gewohnten Gang: Arbeit, Mittagspause, später fährt RaŠa auf dem Fahrrad nach Hause in die kleine Neubauwohnung, die sie mit ihrem Vater teilt. Der hat von seiner früheren Arbeit her Probleme mit dem Rücken; die Schmerztabletten, die er dagegen schluckt, verursachen ihm Magenschmerzen. Dass er von dem Geld lebt, das seine Tochter verdient, plagt ihn – außer das Essen zu kochen, kann er wenig zum gemeinsamen Haushalt beitragen. Deshalb geht er zwischendurch nach Norwegen, um als billige Arbeitskraft Verwendung zu finden.

Nach der Entlassung sehen sich RaŠa und ihre Kollegen kurzzeitig von einem Programm des Arbeitsamtes aufgefangen, das sie auf die Jobsuche, auf Bewerbungen und vor allem auf die Stärkung ihres Selbstbewusstseins vorbereiten will. Motivierend ist das allerdings nur bedingt. Die Untätigkeit ist RaŠa verhasst, zu Hause rumzusitzen ist für sie keine Option, lieber stellt sie sich im Supermarkt an die Kasse und hilft den Kunden beim Einpacken ihrer Waren – was manche von denen ebenso wenig schätzen wie ein Mitarbeiter des Geschäftes. Als sie schließlich für eine Probezeit engagiert wird, um Feuerlöscher zu verkaufen, macht sie das zwar mit dem notwendigen Engagement und der ihr eigenen Freundlichkeit, aber als ihr Chef erfährt, dass sie keinen Führerschein hat, ist sie auch diesen Job wieder los.

Eat Sleep Die geht es mehr um eine Schilderung der Verhältnisse als um eine personalisierende Anklage. Im Betrieb herrscht ein herzlicher Umgangston unter den Kolleginnen, die Empathie ausdrücken, wenn eine thailändische Kollegin ein Lied in ihrer Muttersprache anstimmt, auch wenn sie dessen Text nicht verstehen; ebenso wird in der letzten Szene, in einer Kneipe, ein Gesang angestimmt, dessen Text teilweise von melancholischen Akkordeonklängen übertönt wird. »Wenn ihr RaŠa liebt, hüpft auf und nieder!«, skandieren sie und die anderen am Schluss. Ein Mutmacher; der Zuschauer verlässt das Kino mit dem Gefühl, diese Frau wird sich nicht unterkriegen lassen.

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