Kritik zu Downton Abbey

© Universal Pictures

Nach sechs erfolgreichen Staffeln kommt die preisgekrönte britische Serie nun auf die große Leinwand – und setzt auf Bewährtes. Das ist nicht nur schlecht

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Filme nach erfolgreichen Serien können sich ihres Publikums sicher sein – bei komplexen und personalintensiven Geschichten wie »Downton Abbey« müssen sie das auch. Denn ohne eine ausführliche Genealogie der Adelsfamilie Crawley lassen sich Intrigen, Streitigkeiten und Liebesverflechtungen kaum nachvollziehen. Und trotzdem funktioniert »Downton Abbey« auch für Neulinge, denn der Film zieht, wie schon die Serie, dank großartiger Kostüme, detailverliebter Kulissen und fein austarierten Dialogen mit britischem Humor in den Bann. 

»Downton Abbey«, der Film, knüpft mehr oder weniger an das Ende der letzten Staffel von 2015 an: Er spielt im Jahr 1927 und fast alle sind dabei: Graf Grantham (Hugh Bonneville) übergibt das Zepter an Tochter Mary (Michelle Dockery); ihre Schwester Edith (Laura Carmichael) hat sich inzwischen an das Leben als Ehefrau gewöhnt; Dienstmädchen Anna (Joanne Froggatt) und Mr. Bates (Brendan Coyle) haben mittlerweile ein Kind; der altgediente Butler Carson (Jim Carter) ist in Rente. Für den neuen Butler Thomas Barrow (Robert James-Collier) sowie für den verwitweten Crawley-Schwiegersohn Tom Branson (Allen Leech) deutet sich neues Liebesglück an. Und über allem thront als graue Eminenz Violet Crawley (gespielt von der großartigen Maggie Smith).

Eines Tages kündigt sich königlicher Besuch an. Ein Lunch, eine Parade und ein Dinner für George V. und Queen Mary wollen organisiert werden. Downton Abbey ist in heller Aufregung – der pensionierte Butler Carson wird aus der Rente geholt, Silber und Kristall auf Hochglanz poliert. Lady Mary quält unterdessen die Frage, ob der Erhalt von Downton Abbey überhaupt noch zeitgemäß ist und der Countess of Grantham (Smith) bereitet der Besuch mulmige Gefühle, weil ihre Cousine Lady Bagshaw (Imelda Staunton) zum royalen Gefolge gehört.

Doch es hilft nix, plötzlich steht die Gefolgschaft samt französischem Chefkoch und eigenem Butler vor den Toren des Schlosses und will für die Dauer des royalen Besuchs das Zepter in die Hand nehmen. Doch nicht mit dem stolzen Downton-Personal, das eine kleine Revolte anzettelt. Das ist urkomisch und grandios inszeniert. Wie schon in der Serie gelingt Schöpfer und Drehbuchautor Julian Fellowes die perfekte Balance zwischen Komödie, Satire und Drama. Mit Sorgsamkeit und Respekt zeichnet er die Figuren nach – egal ob Adel oder Dienerschaft; wie beiläufig und doch arg harmlos thematisiert er dabei die Klassenunterschiede Anfang des 20. Jahrhunderts im Vereinigten Königreich. 

Während die Serie sich Zeit nehmen konnte, historische Ereignisse mit dem Schicksal des Hauses Grantham zu verweben, kann der Film in seinen gut zwei Stunden vieles nur andeuten: die Liebe über soziale Schichten hinweg, Monarchiekritik, der Fortbestand des Adels und Homosexualität – und doch ist dieser Film ein großer Spaß und bildgewaltig noch dazu. Wer nicht alle Zusammenhänge versteht – sei's drum. Eine Fortsetzung kündigt sich zum Ende schon an. Dann stecken auch Neulinge schon tiefer im Stoff.

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