Kritik zu Die Yes Men – Jetzt wirdʼs persönlich

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In ihrem bereits dritten Film betreiben die Yes Men erneut ihren Abenteuer-Agitprop, mischen diesmal aber sowohl private wie politische Selbstbefragung bei

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Die »Yes Men« sind Stars der globalen Medienguerilla gegen die Konzernmacht. Unter Tarnnamen tritt das New Yorker Duo bei Kongressen oder in gefälschten Pressekonferenzen auf, um mit Chuzpe und Witz die Rücksichtslosigkeit des Big Business und seiner Vertreter zu entlarven. Dabei gehörte die spätere Aufbereitung der Aktionen als Film von Beginn an zum Konzept.

Zwei Yes-Men-Filme gab es bereits 2003 und 2009. Für den dritten haben sich die Aktivisten nun die befreundete Filmemacherin Laura Nix für die Regie geholt: Eine herausfordernde Aufgabe, denn die verdeckten Aktionen zu Themen wie Klimawandel und Teersandabbau werden unter oft riskanten Bedingungen live gedreht. Das heißt: Neben der normalen Regiearbeit sind auch mögliche Fluchtszenarien oder Schutz gegen Übergriffe vorzubereiten. Zum ersten Mal treten im neuen Film die Persönlichkeiten hinter den Pseudonymen Andy Bichlbaum und Mike Bonanno in die Öffentlichkeit. Denn die in die Jahre gekommenen Aktivisten sind durch den unbeirrt die Katastrophe ansteuernden Weltlauf in ihrem Selbstverständnis angeknackst. Zusätzlich gibt es auch in der Beziehung zwischen den Freunden eine Krise. Das wird in kleinen Dosen miterzählt und gibt dem Film eine bereichernde, selbstreflexive Note.

Als es Bichlbaum in der letzten stupenden Szene gemeinsam mit dem trommelnden indianischen Aktivisten Gitz Crazyboy gelingt, einen Kongress der US-Homeland Security zu einem kollektiven Rundtanz für die Energiewende zu motivieren, ist unklar, ob man das als erschreckendes Beispiel von autoritärem Konformismus oder bizarres Hoffnungszeichen deuten soll. Die argumentative Reise des Films endet in einem neuen Aufbruch, der die Energie der Occupy-Wall-Street-Bewegung trotz ihres schnellen Verpuffens zum Politikwechsel bewahren will. Nebenbei rückt der Film das populäre Vorurteil zurecht, die Aktivisten würden sich beim Einsatz für die gute Sache erstmal die eigenen Taschen füllen. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Beide Ja-Männer investieren nicht nur Lebenszeit, sondern auch große Teile ihrer Universitätslehrergehälter in ihre Aktionen.

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