Kritik zu Die Hochzeit unserer dicksten Freundin

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In der Brautjungfern-Komödie von Leslye Headland lassen drei »Frenemies« unter Anleitung von Kirsten Dunst beim Polterabend das Biest raus

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Vor Frauen, die nur Salat essen, sollte man sich hüten. Die Ahnung wird im frechen Filmanfang bestätigt: Da erläutert im Restaurant eine gertenschlanke Blondine der Bedienung genau, was alles nicht in ihrem Grünzeug drin sein darf. Ihr gegenüber sitzt eine fröhliche Dicke, die Cheeseburger und Pommes mampft. Gibt die Szene anfangs Regans (Kirsten Dunst) tröstlich gemeinten Worten für die dicke Becky (Rebel Wilson) neue Nahrung, so verkehrt sie sich schnell ins Gegenteil. Anders als erwartet jammert Becky nicht über ihren Freund, sondern verkündet den Hochzeitstermin. Ein Affront! Regan, einst Highschool-Bienenkönigin und heute Karrierefrau, wollte als erste unter die Haube. Stattdessen läuft ihr »Big Face« Becky, der Underdog ihrer Clique, den Rang ab. Regan und die zwei anderen Freundinnen, der unterbelichtete Rotschopf Katie (Isla Fisher) und die zynische Großstadtdesperada Gena (Lizzy Caplan) sollen Brautjungfern werden. Bei den Treffen am Vorabend der Hochzeit enthüllen sich in »Hangover«-haften Eskalationen die alten Verklemmungen.

Wie in der Komödie Brautalarm dürfen die Brautjungfern zwar genüsslich die Sau rauslassen, besonders lustig ist der Polterabend aber nicht. Die Bezeichnung »Komödie« entpuppt sich als Etikettenschwindel für ein manchmal gallebitteres Frauendrama, das mit Sex, Drugs & Rock`n Roll und Comedy- Elementen leichter verdaulich gemacht werden soll. Der rote Faden ist die Beziehung weiblicher »frenemies«, Feindinnen, die so tun als seien sie Freundinnen: Schnell wird klar, dass Beckys Clique sie in der Highschool als Kontrast benutzt hat, um den eigenen Glanz zu steigern.

Regisseurin Leslye Headland, die ihr eigenes Theaterstück verfilmte, veranschaulicht Beckys Rang mit einer großartigen Metapher. Nachdem die Braut am Vorabend bei der Anrede »Big Face« richtig sauer wurde – vielleicht zum ersten Mal in der Cliquengeschichte –, bleiben die drei ernüchtert zurück. Um sich dann koksend zu enthemmen und gemeinsam in Beckys XXL-Brautkleid zu steigen, das prompt zerreißt. Auf einer aufreibenden nächtlichen Odyssee will das Trio das Malheur reparieren, schleppt die Robe unter anderem in einen Stripclub und in die U-Bahn mit, befleckt sie mit Körperflüssigkeiten und macht sie zum Putzlappen.

Als Hauptfigur schält sich Regan heraus, die »alles richtig gemacht« hat, und angesichts von Beckys Glück bitter wird: Wo bleibt die Belohnung für Work-out und berufliche Anstrengung? Kirsten Dunst gibt nach Melancholia mit all ihrem Talent erneut eine unglückliche Prinzessin.

Headland will in dieser überzüchteten Figur, ihren von Selbsthass geprägten Gefühlen für Becky etwas über die Ambivalenz weiblicher Freundschaften, über Narzissmus und über gesellschaftlichen Druck auf Frauen sagen. Doch angefangen von Regans herablassendem Mitleid, dessen Kehrseite die Missgunst ist, vermittelt das postadoleszente Drama selten Einsichten, die über die emanzipatorischen Botschaften einer besseren Teenie-Zickenkomödie hinausgehen – und gönnt den unsympathischen Antiheldinnen auch keine Entwicklung.

Wie kitzlig die Darstellung weiblichen Gefühlswirrwarrs ist, erfährt man im Presseheft, in dem Headland schildert, dass bei der Uraufführung ihres ernst gemeinten Stücks die Zuschauer lachten. Im unfokussierten Film ist es umgekehrt: Die von der Kamera erzeugte Nähe zu den Charakteren steigert das Drama bis hin zu einem wahrhaft ätzenden Moment, in dem sich der bulimische Twist von Regans Verhältnis zu Becky enthüllt. Gegen diese Niederträchtigkeit wirkt die oft auf American Pie-Niveau befindliche Komik wie ein plumper Stilbruch, obwohl Sketche wie Genas Blowjob-Monolog durchaus erfrischend sind. Doch Gena und Katie, stets am Rande der Überdosis Drogen und Männer konsumierend, bleiben eindimensionale Figuren, die auf ihre destruktive Vergnügungssucht reduziert werden. Was die Mädels sonst im Leben so anstellen, bleibt weitgehend ungesagt. Und das klischeehafte männliche Rettungsteam – der eine ein stiller Verehrer, der andere die einstige große Liebe – zeigt, dass diese widersprüchliche Komödie auch mit Männern nicht viel anzufangen weiß.

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