Kritik zu Die Girls von St. Trinian

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In Großbritannien gehören sie zum populären Kulturgut, die St.-Trinian-Geschichten von Ronald Searle und die danach entstandenen Filme. Oliver Parker hat sich nun an einem Update versucht

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»Girls just wanna have fun«, könnte die Devise der Mädchen des Internats von St. Trinian sein. Schulleiterin Camilla Fritton bezeichnet die Schule und ihre Zöglinge einmal nicht unzutreffend als »one happy, slightly dysfunctional family«. Hier gibt es die üblichen Cliquen, von Punks über Nerds bis zu Posh Totties und Emos, die sich nicht unbedingt grün sind. Aber wenn es sein muss, halten sie zusammen, etwa bei einem Hockeymatch, wenn der Bus der Gegenmannschaft schon bei der Anfahrt auf das Gelände mit Farbbeutelattacken bedacht wird. Der Besuch des Erziehungsministers wird so zu einer mittleren Katastrophe – allerdings für den Minister selber, der der mitgebrachten Journaille die Notwendigkeit harten Durchgreifens klarmachen wollte, am Ende aber ohne Hosen (und als Tierquäler) dasteht.

Das schöne Leben auf St. Trinian ist jedoch bedroht, das Internat hat Schulden. Die Girls planen eine radikale Maßnahme: den Diebstahl von Vermeers »Das Mädchen mit dem Perlenohrring«. Was bei einer nicht so hellen Schülerin die Frage provoziert: »Du willst Scarlett Johansson stehlen?« Der Coup soll durchgeführt werden, während in der National Gallery das Finale des landesweiten Schülerquiz stattfindet. Allerdings müssen die Mädchen von St. Trinian es dafür erst einmal selbst ins Finale schaffen . . .

Wenn die Mädchen allein durch ihr Auftreten die Pläne des konservativen Erziehungsministers torpedieren, dann waltet darin zwar auch ein Hauch Anarchie, doch hat dieser mehr mit der heutigen Spaßgesellschaft zu tun als mit der Bösartigkeit des Originals, wie sie der Karikaturist Roland Searle in den vierziger Jahren anlegte. Ansonsten feiert die Komödie die Lust an der Verkleidung: Männer in Frauenrollen. Ihr frönt Rupert Everett, der sowohl die Schulleiterin Camilla Fritton als auch ihren unsympathischen Kunsthändler-Bruder Carnaby verkörpert, auf eher altmodische Weise (und modelliert den Überbiss seiner Camilla ein wenig an Camilla Parker-Bowles), das heißt ohne allzu extreme Anzüglichkeit und unter Zurücknahme des theatralischen Moments, das die Interpretation durch Alastair Sim (hierzulande am ehesten bekannt für seine Rolle in Hitchcocks »Die rote Lola«) in den Fünfziger-Jahre-Adaptionen auszeichnete. Colin Firth dagegen bewahrt als gestrenger Minister in jedem Moment seine Ernsthaftigkeit, während er sich der Lächerlichkeit preisgibt. Die übrigen Erwachsenenfiguren allerdings sind sämtlich als Karikaturen angelegt und lassen ihren Darstellern eigentlich nur die Möglichkeit des Overacting.

Darüber hinaus versorgt der Film von Oliver Parker (»Ernst sein ist alles«, 2002) mit eher groben Pinselstrichen sein intendiertes Jungmädchenpublikum mit jeder Menge selbstreferenzieller Anspielungen: So verkörperte Colin Firth den Maler Vermeeer in »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« und der Hund hört hier auf den Namen Mr. Darcy – jene Rolle in der BBC-Verfilmung von Jane Austens »Stolz und Vorurteil«, die Firth einst den Durchbruch bescherte.

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