Kritik zu Daddy's Home – Ein Vater zuviel

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In »Die etwas anderen Cops« rauften sie sich noch zusammen, nun treten Will Ferrell und Mark Wahlberg als Väter in Konkurrenz: Sean Anders' Komödie schwankt zwischen überdrehter Albernheit und rührenden Momenten

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Es ist erbärmlich, aber auch ein bisschen rührend, wie sich Brad (Will Ferrell) seine Lebenssituation schönredet, mit welch sturer Entschlossenheit er auch dort noch das Gute sieht, wo ihm eine Welle der Verachtung entgegenschlägt. Zum Beispiel das Bild, das seine kleine Stieftochter von ihrer Patchworkfamilie gemalt hat: die Kinder in trauter Runde mit Mutter (Linda Cardellini), er, der Stiefvater, weit entfernt mit einem Messer in den Eingeweiden. Wie gut die Haare gelungen seien, lobt er unverdrossen, doch selbst diese Illusion will ihm das kleine Balg nicht lassen: »Das ist ein Hundehaufen«, kontert sie. »Ja, aber wirklich gut gelungen!«, legt Brad nach.

Will Ferrell versteht es, noch das größte Ungemach mit treuherzigem Dackelblick zu umarmen. Die schöne Kunst, sich zum Affen zu machen, hat er stetig perfektioniert, als Mustafa in den »Austin Powers«-Filmen, als Mugato in den »Zoolander«-Filmen, als Anchorman »Ron Burgundy«, als Eisprinz, Stiefbruder und Oldschooler. Zusammen mit Owen Wilson, Ben Stiller und Vince Vaughn, seinen Kumpels aus dem Fratpack, zelebriert er die konsequente Weigerung, den Realitäten des Lebens ins Auge zu sehen, eine Masche, die sich mit den Jahren doch zunehmend abnutzt. Dass er auch das ernste, tiefgründige, lebensphilosophische Fach beherrscht, bewies er zwar in Marc Forsters grandiosem »Stranger than Fiction«, da das Publikum davon aber nichts wissen wollte, gibt er eben weiterhin den naiven, gutmütigen, rundum weichen Punchingball, dieses Mal unter der Regie von Sean Anders, der sich als Drehbuchautor und Regisseur auf die Demütigungen von Arbeit, Beziehung und Familie spezialisiert hat (»Wir sind die Millers«, »Der Chaos-Dad«, »Kill the Boss 2«).

Für ihn spielt Ferrell einen Mann, der seine Sehnsucht nach dem Vatersein wegen Zeugungsunfähigkeit an den Kindern ausleben muss, die seine Frau aus erster Ehe mitgebracht hat. Liebevoll und aufopferungsbereit buhlt er um deren Zuneigung, doch gerade als der Widerstand der Kinder zu bröckeln beginnt, tritt der abwesende leibliche Vater Dusty (Mark Wahlberg) auf den Plan, ein Bild von einem Mann, mit durchtrainiertem Körper, lässigen Jeans, Cowboystiefeln und  selbstbewusstem Auftreten, die coole Pop-Ikone Wahlberg gegen den biederen Büroangestellten Ferrell. So beginnt ein irrer Konkurrenzkampf, in dem die Väter mit ebenso unlauteren wie albernen Mitteln um die Gunst der Kinder buhlen, was meistens ziemlich hanebüchen und lächerlich, manchmal aber auch schön absurd ist, zum Beispiel wenn Dustys schwere Maschine mit Brad durchgeht und durch die Haustür in den ersten Stock durchs Fenster und über das Dach auf das vor dem Haus parkende Auto fliegt, während Brad unterwegs in einer Hauswand stecken bleibt. Oder wenn Dusty seinen Kindern abends am Bett eine Gutenachtgeschichte über den strahlend guten König zusammenspinnt, dem vom bösen Stiefkönig übel mitgespielt wird. Am Ende all der künstlichen Aufregungen steht die Binsenweisheit, dass abenteuerliche Männer nicht alltagstauglich sind.

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