Kritik zu Captain America: The First Avenger

© Paramount Pictures

Der patriotischste und verstaubteste aller Supermänner des Marvel-Comicuniversums darf wiederauferstehen und die Welt vor dem Bösen retten

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Der Oberböse heißt Johann Schmidt (Hugo Weaving) und leitet die von Hitler eigenhändig eingesetzte Spezialforschungsabteilung des Nazireiches namens »Hydra«. Im Prolog erstürmt Schmidt 1941 in Norwegen eine unterirdische, vom Weltenbaum der nordischen Mythologie Yggdrasil bewachte Schatzkammer, um sich einen magischen Kristallquader – Quell riesiger Energien und Metapher für die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs entdeckte Atomenergie – zu schnappen. Schmidt will »dem Schatten des Führers entkommen und in die Fußstapfen der Götter treten«. Zwecks tyrannischer Weltherrschaft. Deshalb brüllen die Armeen des Bösen in »Captain America« nicht »Heil Hitler« sondern »Heil Hydra«.

1941 wurde Marvel-Comic-Supermann Captain America als personifizierter Patriotismus erfunden und nach Europa in den Krieg gegen Nazideutschland geschickt. In den Zeiten des Kalten Krieges bekämpfte er die »Rote Gefahr«, dann asiatische Bösewichte, schließlich Terroristen, bis er 2007 einem heimtückischen Attentat zum Opfer fiel. Nun lässt ihn Regisseur Joe Johnston (»Wolfman«) auf der 3-D-Leinwand wiederauferstehen, und die Story beginnt nach dem Rachefantasiemuster aller Supermännergeschichten: ein schmächtiger, unscheinbarer junger Mann wird gedemütigt und verprügelt.

Er heißt Steve Rogers (Chris Evans) und will eigentlich nur seiner patriotischen Pflicht als Soldat nachkommen, aber alle Musterungsbüros weisen ihn als untauglich ab. Er leidet unter anderem an Asthma und Herzschwäche. Dann aber erscheint der aus Österreich immigrierte Arzt Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) und erklärt den verblüfften Steven für besonders tauglich: »Sie sind ein guter Mensch. Das ist entscheidend!« Tauglich für das »Super-Soldier«-Programm der US-Regierung, dessen Leiter Dr. Erskine ist. Er injiziert Steven ein Spezialserum – sozusagen die Gegenkraft zur Hydra-Magie – und verwandelt ihn figurativ zum Traummannsbild jedes Fitnessstudios. Jetzt ist Steven ziemlich unverletzlich, kann rasend schnell laufen und schwimmen und erledigt erst mal einen Saboteur, der im U-Boot entkommen will.

Supermännerfilme sind nur dann erträglich, wenn das Superkräftefantasma over the top überdreht und mit Selbstironie ausgestattet wird. Wie das Sam Raimi beim ersten »Spider-Man«-Abenteuer exemplarisch vorführte. Bei »Captain America« regiert pathetischer Pfadfinderernst. Es gibt nur eine Passage, die ins Witzige gezogen wird: Wenn der Held seine erste Supertat vollbracht hat, wird er zur »Captain America«-Figur stilisiert und auf Kriegspropaganda-Showtour geschickt. Da darf er sich tölpelhaft zeigen, und man erkennt den Versuch, das Hurrahpatriotische der Figur zurückzunehmen. Sein Outfit ist auch nur auf der Showbühne das Sternenbannerkostüm des Comics.

An der Front wird es wieder gehörig ernst, und so zieht der Superheld gegen Hydra ins Feld, befreit in den Alpen gefangene US-Soldaten, versammelt eine Haudegenclique um sich, dringt in das Hydra-Hauptquartier ein und zwingt Herrn Schmidt, der sich als totenkopfgesichtiger »Red Skull« entpuppt hat, zur actiontauglichen Flucht per Alpenexpress und futuristischem Düsenjäger.

Das 3-D-Format wird einfallslos benutzt, als hätte es Camerons »Avatar« mit seinen raffinierten Raumerforschungsspielen nicht gegeben. Ebenso konventionell – auf dem Niveau von James-Bond-Filmen der mittleren Periode – sind die Ballereien und Actionsequenzen gestaltet. Dazu kurzatmige Rückgriffe auf Fantasystandardmotive: Da gibt es den Antiquitätenladen mit dem Geheimzugang zum Hightechlabor, dann den Enthüllungsaugenblick, wenn »Red Skull« sein menschliches Gesicht als Maske abstreift, oder die fortwährend ängstlich schwitzenden Subalternen des Möchtegerntyrannen.

Die Regler an den Kommandoboards von Freund und Feind werden zu dramatischen Höhepunkten in den roten Bereich gedreht – bis die magischen Energien wie bei Faradayschen Käfigen als Blitze durch den Raum züngeln und für Menschenmutationen sorgen. Ein kurioser Cocktail aus Mythos und Magie, Popkultur und Politpropaganda, und die übliche Ideologie: Umdeutung von Machtinteressen zur Moralmission, und ein Machtbegriff, der sich Macht nur als Zerstörungskraft vorstellen kann.

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