Kritik zu Captain America: The Return of the First Avenger

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Captain America kommt einer Verschwörung auf die Spur, und der jüngste Film aus dem Marvel-Universum funktioniert fast als klassischer Politthriller

Bewertung: 4
Leserbewertung
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3.7 (Stimmen: 3)

Das Angenehme an den Leinwand­adaptionen der Marvel-Superhelden ist, dass jeder Film eine ganz eigene Welt erschafft, auch wenn die Zutaten oft dieselben sind. Mit The Return of the First Avenger ist diesmal ein gradliniger, kompakter Film entstanden. Damit steht er im Gegensatz zu den letzten beiden Marvel-Werken, The Avengers (der zwangsläufig Zeit damit verbringen musste, die einzelnen Superhelden einander vorzustellen) und der Thor-Fortsetzung (der sich zwischen der Erde und dem Heimatplaneten des Göttersohnes bewegte, zwischen Action und Familiendrama). Hier dagegen werden Romanzen nur angedeutet, die Komik beschränkt sich auf knappe Pointen.

Das Erzählmuster von The Return of the First Avenger folgt dem des Thrillers, wenn ein Attentat auf S.H.I.E.L.D.-Boss Nick Fury verübt wird (am helllichten Tag auf den Straßen New Yorks) und Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans) sich plötzlich von seiner eigenen Organisation gejagt sieht, was offenbar mit dem USB-Stick zusammenhängt, den Fury (Samuel L. Jackson) ihm noch aushändigen konnte und dessen Existenz er Alexander Pierce (Robert Redford), dem neuen mächtigen Mann bei S.H.I.E.L.D, verschwiegen hat.

»Traue niemandem!«, waren die letzten Worte, die der schwerverletzte Fury Steve noch zuflüstern konnte. Nur Natasha Romanoff/»Black Widow« (Scarlett Johansson) und Sam Wilson/»Falcon« (Anthony Mackie) stehen jetzt an seiner Seite. Die Spur, die sie dem USB-Stick entnehmen können, führt in die Vergangenheit von Steve Rogers, der Erkenntnis, dass Totgeglaubte weiterleben können und dass es innerhalb von S.H.I.E.L.D. eine Verschwörung gibt, die eigenmächtige Interessen verfolgt. Welche sich gleichwohl als Interessen des Allgemeinwohls tarnen, gemäß der zynischen Äußerung: »Ich kann Milliarden von Leben retten, wenn ich einige Millionen Menschen opfere« – womit die nach dem 11. September immer wieder beschworene Option von Freiheit contra Sicherheit auch ihren Niederschlag im Superheldengenre findet.

The Return of the First Avenger erinnert an die Politthriller der 70er Jahre, nicht zuletzt Sydney Pollacks Die drei Tage des Condor, unterstrichen dadurch, dass dessen Hauptdarsteller Robert Redford hier in einer tragenden Rolle als Alexander Pierce auftritt. Gäbe es nicht die geheimnisvolle Figur von Steve Rogers’ Nemesis, dem maskierten Killer »The Winter Soldier«, und gäbe es nicht die aufwendigen Action-sequenzen, die den Film als Big-Budget-Movie der Gegenwart ausweisen, so wäre das Pastiche perfekt.

Natürlich wird am Ende einmal mehr die Welt in letzter Sekunde vor der Zerstörung gerettet, wobei es diesmal sehr viel weniger martialisch zugeht als etwa in The Avengers. Hier zerstören sich die hochgerüsteten Kampfflugschiffe, die eben noch Menschen im Visier hatten, gegenseitig. Aber als zeitgemäße Variante des Verschwörungsthrillers funktioniert The Return of the First Avenger ganz gut.

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