Kritik zu Black Brown White

© NFP

2011
Original-Titel: 
Black Brown White
Filmstart in Deutschland: 
31.10.2011
V: 
L: 
106 Min
FSK: 
6

Nach Lebensmittelindustrie (We Feed the World) und internationalen Geldströmen (Let’s Make Money) knöpft Erwin Wagenhofer sich das Flüchtlingsproblem vor. Diesmal allerdings in Spielfilmform

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Es ist nicht weiter verwunderlich, dass es über Menschenschlepper und illegale Flüchtlingsströme sehr viel mehr Spiel- als Dokumentarfilme gibt. Trotzdem geht es wahrscheinlich zu weit, dem Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer zu unterstellen, sozusagen aus der (Bilder-)Not heraus seinen ersten Spielfilm gedreht zu haben. Versucht er sich in Black Brown White doch an mehr als nur dem Anprangern der Zustände in Schengen- Land: Er möchte gleichzeitig von der inneren Entwicklung eines kaltblütigen Zynikers zum mitfühlenden Mann erzählen.

Den Bezug zu seinen bekannten Dokumentationen baut Wagenhofer ganz explizit ein: Der Lastwagenfahrer Don Pedro (Fritz Karl) fährt Knoblauch aus der Ukraine nach Marokko und wieder zurück – ein Rädchen im Getriebe des Lebensmittelwahnsinns, um den es in We Feed The World ging. Auf seiner Fahrt macht er Station in einer jener Ferienhaussiedlungen an der Costa del Sol, die in Let’s Make Money als »Zement-Tsunamis« bezeichnet wurden. Leider fallen die Erklärungen dazu, wie man mit leerstehenden Immobilien Profit macht, wieder nur schlagwortartig aus: »Was nicht mit Geld geht, geht mit viel Geld, so ist das bei uns«, bringt Don Pedro der aus Ghana geflohenen Jackie bei.

Dass er überhaupt mit Jackie redet, ist deren Sturheit zu verdanken. Sie wollte sich nämlich nicht in das Kabuff einpferchen lassen, in dem Don Pedro die anderen Flüchtlinge, die seinen Trip nach Marokko erst lohnend machen, einsperrt. Schwierigkeiten ergeben sich daraus nicht nur für Don Pedro, sondern auch für das Drehbuch, das von da an recht einfältig die arme Flüchtlingsfrau (mit Kind!) und den abgebrühten Fahrer sich einander annähern lässt, unter mancherlei Verwicklungen und der Verfolgung durch »böse« Behörden natürlich.

Einzig dem großartigen Fritz Karl ist zu verdanken, dass man der Verwandlung des Menschenschleppers in einen Fluchthelfer überhaupt folgen will: Seine zwischen Selbstekel, Depression und Überdruss schillernde Figur fesselt ganz ohne globalisierungskritisches Anliegen.

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