Kritik zu Bis später, Max!

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Wie das Leben Fiktion wird und umgekehrt: Drei Kurzgeschichten des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer hat Jan Schütte zu einem charmanten Film verarbeitet

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Max Kohn (Otto Tausig) ist beinahe achtzig, ein bekannter New Yorker Schriftsteller, der allerdings schon mal seine Aktentasche stehen lässt oder im falschen Hotel eincheckt. Max ist zerstreut, wird vielleicht ein bisschen senil – aber er hat immer noch Ausstrahlung. Und ähnelt nicht nur in dieser Hinsicht dem Film, dessen Hauptfigur er ist: Auch Jan Schüttes »Bis später, Max!« kommt nur gemächlich voran, entfaltet jedoch melancholischen Witz und Charme.

Kohns Alltag und die Träume und Geschichten, die daraus entstehen, fließen wie ein reifer Strom zusammen. Darin finden sich drei Kurzgeschichten des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer, auf denen Schüttes Erzählung zu großen Teilen basiert. Während Kohn im Zug sitzt, unterwegs zu einem College, wo er seine Standardlesung über den Glauben und den freien Willen in der modernen Literatur halten wird, schläft er ein und träumt eine Geschichte, die auf Singers Short Story »Alone« beruht: von einem Rentner, der in Miami Beach Urlaub macht, vor dem Leben wie den Frauen Angst hat und beides im Übermaß präsentiert bekommt.

Schlimmer als das, was seinen imaginierten Figuren zustößt, ist für unseren Helden ohnehin die Angst vor einer Prostataoperation. Prostataoperation. In der komischsten Szene des Films steht Kohn einem Zugschaffner gegenüber, der ihm kafkaesk auf die Pelle rückt, intime Fragen stellt und zuletzt wissen will: Haben Sie noch Geschlechtsverkehr?

Ja, Max hat trotz seines Alters immer noch einen Schlag bei Frauen. Und Frauen beherrschen auch seine Fantasien: die Angst vor ihnen, das Ringen mit Moralvorstellungen, aber auch die pure Lust an der erotischen Begegnung. Da erinnert Max an die Figuren von Woody Allen oder Philip Roth. Während seiner Lesereise trifft er eine ebenfalls nicht mehr ganz junge, aber sehr attraktive ehemalige Studentin, die Barbara Hershey aufregend verkörpert. Rosalie Kaddish hat der Liebe abgeschworen und kifft lieber. Bei ihrem Lieblingsprofessor, über dessen Arbeit sie ursprünglich sogar promovieren wollte, macht die schöne Rosalie jedoch eine Ausnahme.

Und sie ist auch selbst eine Ausnahme, weil Rosalie die einzige Frau in diesem Film ist, die Charakter zeigen darf. Ansonsten werden Kohns Altmännerfantasien ebenso von Karikaturen bevölkert wie dessen Leben, was den Film am Ende doch recht unverbindlich wirken lässt.

Auf seine Schauspieler kann sich Schütte ohnehin verlassen, vor allem auf den Wiener Theaterdarsteller Tausig, der sowohl Kohn spielt als auch dessen Erfindungen und auch schon früher mit Schütte gearbeitet hatte, in »Auf Wiedersehen Amerika« (1994) und »Old Love« (2001), einem Kurzfilm nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Singer. Dieser Kurzfilm wird von Schütte geschickt in »Bis später, Max!« eingebaut, als Lesung, die er am Ende anstelle seines Standardvortra- ges hält. Tausig verleiht Kohn einen unnachahmlichen Wiener Akzent und lässt damit eine ganze Biografie anklingen. Und den grauen alten Männern aus dessen Fantasie schenkt er eine erschütternde Komik.

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