Kritik zu Bad Boys for Life

© Sony Pictures

Sechzehn Jahre nach »Bad Boys II« finden sich Martin Lawrence und Will Smith für einen neuen Film über ihre schnellsprechenden und wenig zimperlichen Florida-Cops Marcus Burnett und Mike Lowrey wieder zusammen

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Der Testosteronspiegel ist hoch. Die Autos sind schnell. Die Knarren sind groß und die Sprüche lose. Alles beim Alten also bei den »Bad Boys«, den Titelhelden der beiden Kassenknüller von Krawallspezialist Michael Bay aus den Jahren 1995 und 2003. Darin geben Will Smith und Martin Lawrence zwei Detectives des Miami Police Department – Mike Lowrey und Marcus Burnett, Partner im Streifenwagen und Freunde fürs Leben –, die den Drogensumpf Floridas trockenzulegen versuchen und dabei alles andere als zimperlich sind. Seinerzeit fand die Kombination aus fulminanten Action­sequenzen und locker-flockigen Wortgefechten, die sich die beiden Rabauken-Cops lieferten, zahlreiche männliche Fans. Umso mehr verwundert es, dass bis zur Fortsetzung sechzehn Jahre ins Land zogen. Doch erst haperte es am Drehbuch, dann haperte es am Geld, dann haperte es an den Zeitplänen und natürlich haperte es dann auch irgendwann mal am Regisseur.

Deren gibt es nun sogar zwei, nämlich die beiden belgischen Regisseure Bilall Fallah und Adil El Arbi, die außerhalb ihres Heimatlandes bislang noch nicht für allzuviel Furore gesorgt haben. Vom Sessel reißt einen der nunmehr endlich vorliegende »Bad Boys for Life« auch nicht gerade, aber gediegenes Handwerk liefern die beiden allemal. Ob das allerdings ausreicht, die Trilogie zum in der Schlussszene avisierten Franchise auszubauen? »Bad Boys 4« ist immerhin bereits angekündigt; vielleicht aber wäre der Ruhestand doch die rosigere Perspektive. Die bösen Buben werden schließlich nicht jünger. Ganz im Gegenteil träumt Opa Burnett mittlerweile vom friedlichen Dahindämmern im Fernsehsessel, während Schwerenöter Lowrey nach wie vor nicht erwachsen werden und weiter mit Karacho auf die Kacke hauen will. Dann mischen sich die Witwe und der (vermeintliche) Sohn eines mexikanischen Drogenbosses ins freundschaftliche Gekabbel und schon heißt es: One last time.

Wobei den etwas geänderten Sensibilitäten der Gegenwart Rechnung getragen wird, insofern Frauen hin und wieder auch mal was Sinnvolles sagen dürfen. Eine von diesen ist sogar Chefin der Spezialeinheit, die der hochexplosive Lowrey hier als eine Art Triebregulator an der Backe hat. Denn auch darum geht es in »Bad Boys for Life«: die in den vorangegangenen beiden Teilen völlig außer Rand und Band geratene Macho-Energie einzufangen und heimzuführen, vielleicht nicht gerade in den Hafen der Ehe, aber doch in ein soziales Gefüge, in dem Kontrolle und Ordnung herrschen.

Ob das den Fanboys noch Spaß macht? Abgesehen davon lässt sich auch an einem Drehbuch herummäkeln, in dem ein fettes Es-war-einmal-Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird, das mitten im Rennen die Vorzeichen ändert. Sperenzchen, die Lowreys Figur herausfordern, und die ein Actionfilm, dessen Zweck sich bislang in der Befriedigung eher schlichterer Bedürfnisse voll und ganz erfüllte, nicht braucht. Ebenso wenig wie Burnetts religiöse Anwandlungen, die am Ende doch nur zynisch wirken. Womit die Bad Boys es dann doch wieder über die Ziellinie geschafft hätten.

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