Kritik zu Als wir die Zukunft waren – 7 Geschichten aus einem verschwundenen Land

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2015
Original-Titel: 
Als wir die Zukunft waren – 7 Geschichten aus einem verschwundenen Land
Filmstart in Deutschland: 
25.02.2016
L: 
87 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Geschichten aus einem verschwundenen Land: Sieben in der DDR geborene Filmemacher und Filmautoren erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend

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Die sechs Männer und eine Frau, die sich in einer Kneipe in der Uckermark zusammensetzen, sind um die sechzig, in der DDR geboren und aufgewachsen. Sie waren Hoffnung und Zukunft der Republik, Kinder des Sozialismus. Gemeinsam schauen sie mit »Als wir die Zukunft waren« zurück auf ihre Kindheit in einem Land, das es seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gibt. Ungebrochene Nostalgie will in kaum einem der sieben Einzelbeiträge aufkommen. Die DDR-Dokfilmer erzählen von ihren Eltern, die nach dem Ende des Krieges an die Sache des Sozialismus glaubten, aber auch von Vätern, die den Glauben schnell verloren haben, sich in den Westen absetzten und die Familie im Stich ließen. In melancholischen Bildern berichtet Hannes Schönemann von seiner Heimkindheit an der Ostsee und jugendlichen Fluchtplänen über das Meer hinweg. »Für mich war der Westen feindliches Gebiet, das Väter verschluckt«, sagt er.

Gabriele Denecke hingegen erzählt vom Mädchen, das sich vor dem Mauerbau gen Westberlin mit 50 Ostpfennigen in der Tasche aufmachte und zur Mutter, die im Haus der Ministerien an den Wirtschaftsplänen der Republik arbeitete, mit drei bunten Kaugummis in der Hand zurückkehrte. Peter Kahane, dessen jüdische Eltern 1945 aus der französischen Résistance nach Berlin zurückkehrten, ruft sich die bedingungslose Liebe der Großeltern ins Gedächtnis und die leisen Erinnerungen an die Verwandten, die »ins Gas gingen«.

»Als wir die Zukunft waren« ist ein Projekt, das auf den Förderanträgen sicherlich besser aussah als auf der Leinwand. In den sieben Kindheitsminiaturen ist einfach zu wenig Entfaltungsspielraum für die Erzählansätze. Vieles bleibt im Anekdotischen stecken. Anderes hört genau dort auf, wo es hätte spannend werden können. Die sieben Einzelbeiträge verweben sich nicht zu einem erhellenden Erinnerungsnetz, wohl auch weil die Aufgabenstellung zu unspezifisch war. Drei hineingeschnittene Diskussionssequenzen tippen Zusammenhänge allenfalls an und verweisen auf Erkenntnismöglichkeiten, hinter denen dieser allzu lose Episodenfilm weit zurückbleibt.

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